Full text : Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

Vstreng
  unterworfen  dem  autoritativen-Text  undden  tr&v
ditionellen  Grundanschauungen.  Man  sollte  nun  meN
nen,  daß  sowohl  Theologie  wie  Jurisprudenz  gar  viel
mit  sozialen  Fragen  zu  tun  gehabt  hätten.  Sprach  doch
der  Theologe  wie  der  Jurist  von  jus  tum  pretium  und
der  Verwerflichkeit  des  Zinsnehmens  und  den  Rechten ­
  der  Staatsgewalt  usw.  Aber  keiner  von  beiden
sprach  darüber  in  sozialwissenschaftlichem  Geist:  Er
holte  sich  seine  Prinzipien  nicht  aus  der  Beobachtung
der  sozialen  Dinge  oder  aus  einer  Untersuchung  der
menschlichen  Psyche,  sondern  er  dogmatisierte  von
der  Kanzel  eines  unantastbaren,  geoffenbarten,  ganz
unabhängig  vom  Menschen  gütigen  Systems.  In  ähnlich ­
  er  Weise  ist  ja  auch  heute  noch  z.  B.  die  spekulative ­
  Ethik  keine  Sozialwissenschaft.  Zur  Sozialwissenschaft ­
  wird  die  Ethik  erst,  wenn  ihr  ganzer
Inhalt,  Ausgangspunkt  und  Konsequenzen,  als  Resultat ­
  des  Wirkens  sozialer  Faktoren  begriffen  wird;
sonst  hat  sie,  obgleich  sie  von  menschlichem  Handeln
spricht,  doch  mit  den  Sozialwissenschaften  nichts  zu
tun.  Und  deshalb  hatten  Theologie  und  Jurisprudenz
des  Mittelalters  mit  Sozialwissenschaft  wenig  zu  tun,
weü  sie  eben  gegebene  Grundsätze  anwenden  und
dadurch  Normen  für  den  speziellen  Fall  gewinnen
wollten 1 .
Erst  in  der  Renaissanceperiode  beginnt  die  Sache
anders  zu  werden,  und  die  soziale  Entwicklung,  die
1  Zwar  herrschte  ja  Aristoteles.  Aber  an  dem  Geist  der  Diskussion ­
  änderte  das  nichts.  Und  platonische  Einflüsse,  wie  sie  durch
S.  Augustinus  und  andere  Vermittler  fühlbar  wurden,  erschöpften
sich  darin,  dem  Dogma  zu  einem  philosophischen  Ausdruck  zu  helfen:
Soweit  in  solcher  Kürze  überhaupt  eine  Behauptung  gewagt  werden  kann.
            
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