Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

machtvoll ihren Weg. Und wer die Analyse haßt 
und sich vor ihr in die Archive flüchtet, der bahnt 
ihr nur den Weg, wie der Kolonist, der vor der Zivili 
sation in die Wildnis flieht, weil er in ihr nicht leben 
kann, nicht leben mag, gegen seinen Willen, ohne 
sein Wissen, den Weg bahnt, auf dem sie ihm un 
vermeidlich folgt. 
Wir stehen also vor dem folgenden Sachverhalt, 
der in mehr als einer Hinsicht merkwürdig ist und 
nach mehr als einer Richtung erwogen zu werden 
verdient: Von der einen Seite betrachtet, gibt es 
keine einheitliche und kontinuierliche Entwicklung 
der Sozialwissenschaften außerhalb der einzelnen 
„Schule“. Im Gegenteil, wer auch nur flüchtig nach 
den Programmen und Diskussionen der einander be 
kämpfenden und einander ablösenden Schulen hin 
horcht, muß sofort die lautesten Dissonanzen hören 
und vor allen anderen Dingen den Eindruck haben, 
daß es da kein einheitliches Wollen, kein planmäßiges 
Vorgehen, keine Logik oder Ordnung geben kann, 
sondern nur völlige Willkür. Von der anderen Seite 
betrachtet, ergibt sich der gerade entgegengesetzte 
Eindruck: Da sehen wir nicht nur, daß alle Sieges 
fanfaren der methodischen Parteien eitel und alle 
Eorschungsrichtungen einfach unüberwindlich sind, 
mag man auch mit aller Energie und mit allen Mitteln 
sie unterdrücken wollen, sondern daß überhaupt alles, 
auch das scheinbar Unverträgliche, schließlich einem 
großen Ganzen eingeordnet wird, das von außen 
— trotz aller Proteste, Kämpfe und Mißtöne im 
Innern — so aussieht, wie wenn es planvoll entworfen
	        
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