Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

99 
keinesfalls aber ein gerechter Eichter ist — gerade 
dann dürfen wir nicht zu hart urteilen, wenn er, die 
er bekämpft, gar nicht verstanden hat! 
Zugleich können wir uns aber auch erklären, wo 
her trotzdem der Eindruck einheitlicher Züge der 
Entwicklung kommt oder besser auf welchen Tat 
sachen die Einheitlichkeit der Entwicklung beruht. 
Vor allem fällt auf, daß manche der angeführten 
Ursachen der „Diskontinuität“ oder der „Willkür“ der 
Entwicklung weit mehr den Schein eines Verbrennens 
aller Schiffe hervorrufen als wirklich alle Schiffe ver 
brennen. Lokal und temporär mag gelegentlich der 
Anschein erweckt werden, als ob alles von neuem 
beginnen müßte und würde. Eitelkeiten und Eng 
herzigkeiten Einzelner oder ganzer Eichtungen 
mögen einen Abgrund Vortäuschen, wo nur ein 
kleiner Graben ist. Auf politischen und philosophi 
schen Gründen beruhende Unpopularität mag augen 
blicklich erdrückend sein. Das mag ganze Gene 
rationen schwer schädigen, aber all das kann doch 
nicht leicht weit und dauernd unter die Oberfläche 
des wissenschaftlichen Lebens hinunterreichen. 
Aber ganz abgesehen davon — wie immer man 
diese unsere Welt und diesen unseren Denkapparat 
philosophisch deuten mag, für alle praktischen 
Zwecke und auch den der Wissenschaft kann man 
ruhig sagen, daß diese Welt und dieser Denkapparat 
gegebene Tatsachen sind, an denen wir nichts ändern 
können. Und weil Gegenstand und Werkzeug der 
Wissenschaft gegeben sind, so sind es auch die Pro 
bleme, d. h. das was uns fraglich erscheint und die 
7*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.