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duktiven Kräfte) einer Wirtschaftsgesellschaft veranschlagt wirdnach
den zu ihrer Hervorbringung aufgewendeten augenblicklich vor-
handenen Werten.
Das Argument Ehebergs, List habe durch einseitige Hervor-
kehrung seiner Theorie der produktiven Kräfte die Reziprozität,
die zwischen Ursache und Wirkung bestehe, zersjört, brauchen
wir an dieser Stelle nicht mehr ausführlich zu behandeln. Wir wollen
nur noch, einmal hervorheben, daß List nichts ferner lag als eine
Wechselwirkung zwischen Produktion und produziertem Gut zu
leugnen und daß es für ihn nur darauf ankam, zu betonen, daß
eine unbedingte Reziprozität zwischen aufgewendetem, produ-
ziertem Gut (Wert) und yolkswirtschaftlichem Erfolg (Größe und
Höhe der produktiven Kraft) nicht bestehe.
Die letzte Problemgruppe beschäftigt sich damit, in welchem
Sinne Eheberg gewillt ist, die Theorie Lists anzunehmen. Ehe-
berg bedient sich hier einer Dühringschen Formulierung. Die
Werttheorie der Klassiker‘) habe den Augenblick nicht bloß zum
Ausgangspunkt, was in der Ordnung sei, sondern auch zum Hori-
zönt der Wertbestimmung gemacht. Eheberg; meint, dieses sei
in der Tat eine berechtigte Kritik der Smithschen Schule, die
allzu großen Wert auf die Summe der Tauschwerte gelegt habe
und folglich übersehen, daß es Faktoren im Volksleben gibt, die
nicht in augenblicklichen Tauschwerten abgesehätzt werden können,
sehr wohl aber produktiv wirken. Indem Eheberg dies zugibt,
erkennt er die Grundrichtung der Listschen Theorie an. Aller-
dings sieht er, wie dies aus seinen früheren Ausführungen her-
vorgeht, in List nicht den Vorgänger von Dühring und Carey.
Er sieht die Listsche Theorie nicht im Gegensatz zu der statischen
Theorie der Klassiker als eine dynamische Produktionstheorie.
Aber er hat, was weit wichtiger ist, die theoretische Bedeutung
Lists erkannt. Als erster hat er eine umfassende Darstellung der:
praktischen wie auch der theoretischen Leistungen Lists gegeben.
Er ist einer der wenigen neuen Nationalökonomen, der List über-
haupt eine theoretische Bedeutung zuerkennt, und, wenn unsere
Auffassung auch nicht in'‘allen Punkten mit der Ehebergs über-
einstimmt, so müssen wir doch besonders hervorheben, daß Eheberg
mit feinem Verständnis den Gedankengängen Lists gefolgt und
daß er mit Ausnahme von Dühring (Ehebergs Kritik erschien 1883)
der erste war, der sich mit den theoretischen Gedankengängen
Lists in eingehender Weise beschäftigte.
Dührings Kritik beschäftigt sich ausdrücklich mit den theo-
retischen Leistungen Lists. Hier können wir wiederum zur besseren
Uebersicht drei Abschnitte unterscheiden:
’) eine Würdigung des Nationalökonomen List,
eine Kritik seiner Methode, .
3) die Beziehungen zwischen Lists Theorie der produktiven
Kräfte und Dührings Werttheorie.
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‘-- Dühring, Krit. Grundlegung S. 98