fullscreen : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Daher  sei  es  ein  großer
Fehler  der  Ausgesperrten  gewesen, ­
  erklärt  er  nun  öffentlich,
den  zu  den  Anterhandlungen
vom  Septeniber  entsandten
Arbeitervertretern  Forderungen
auf  den  Weg  zu  geben,  von
denen  man  im  voraus  wußte,
daß  die  Brauherren  sie  unter
keinen  Amständen  bewilligen
würden.  Lediglich  das  Auftreten ­
  der  Gegner  mit  der
„schwarzen  Liste"  der  33  hätte
die  Arbeitervcrtretcr  aus  einer
sehr  peinlichen  Situation  gerettet ­
  und  es  so  möglich  gemacht, ­
  daß  schließlich  die  Arbeiterschaft ­
  doch  Siegerin  blieb.
Aber  nicht  jedesmal  verlaufe
die  Sache  so  günstig.  Meist
unterlägen  die  Arbeiter,  wenn
sie  „den  rechten  Zeitpunkt  für
den  Friedensschluß  versäumen".
Das  sollten  die  Arbeiter  aus
dem  Verlauf  des  Berliner  Bierboykotts ­
  lernen,  dann  werde  auch
aus  „ihren  Fehlern  der  großen  Kulturbewegung,  deren  Träger  die  Arbeiter
sind,  Peil  erwachsen".  War  aber  die  Arbeiterschaft  wirklich  die  Siegerin?
Offenbar  war  sie  es  nicht  in  dem  Sinne,  daß  sie  dem  Gegner  das  Knie
auf  die  Brust  setzen  konnte.  Aber  der  Kampf  hatte  gezeigt,  daß  die  sozialistische
Arbeiterschaft  eine  Macht  war,  mit  der  sich  nicht  spaßen  ließ.  In  ihrer  übergroßen ­
  Mehrheit  hatte  sie  eine  Willensprobe  ersten  Ranges  in  großartiger
Weise  abgelegt.  Was  die  Bilanzen  der  Brauereien  nicht  verrieten,  das  verrieten ­
  oder  vielmehr  erzählten  laut  die  Klagen  der  Gastwirte  und  namentlich
der  Saalbesitzer,  welch  letztere  beim  Friedensschluß  ziemlich  unsanft  als
nebensächliches  Element  behandelt  wurden.  Der  Bierboykott  ist  kein  Kampf
von  zwei  streng  abgegrenzten  Mächten  gegeneinander.  Die  Verzweigung  des
Schankgewerbes  stellt  eine  Masse  von  Existenzen  aller  Art  zwischen  die
Streikenden,  durch  die  er  unendlich  kompliziert  und  seine  Durchführung  mit
ungewöhnlichen  Lärten  verbunden  wird.  Das  sozialistische  Berlin  hatte  sie
willig  auf  sich  genommen  und,  von  etlichen  Amgefallenen  abgesehen,  die  nicht
zählten,  mit  eiserner  Beharrlichkeit  an  ihm  festgehalten,  bis  die  Parole  kam:
„Der  Kampf  ist  zu  Ende."  An  den  Aushängen  in  den  Fenstern  Tausender
von  Wirtschaften  und  keineswegs  bloß  von  Proletarier-Wirtschaften:  „Nur
boykottfreies  Bier"  hatte  man  es  erkennen  können,  welche  Macht  die
Sozialdemokratie  in  Berlin  geworden  war.  Es  fehlten  nicht  die  bürgerlicheil
Elemente,  die  sich  im  Kampf  auf  ihre  Seite  stellten,  uild  namentlich  jüngere
Akademiker  und  andere  junge  Leute  aus  bürgerlichen  Kreisen  »lachten  in
ziemlicher  Anzahl  gemeinsame  Sache  mit  der  Arbeiterschaft.  Aber  in  der
Bernstein,  Berliner  Geschichte.  III.  23

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Herausgegeben  yjP'
Berliner  Lokal-  ^  A
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Berlin,  im  Mai  1890.

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Verlag:  Wilh.  Werner,  Berlin.

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169.  Titelseite  des  ersten  Arbeiter-Verkehrs-Almanach

            
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