Wirischaftsgeschichte der deuischen Kolonien
Zzweiter Abschnitt.
Ddie einzelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklung
1. Togo
Werfen wir jetzt einen Blick auf die ein—
zelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklung, so
'angen wir zweckmäßig mit Togo an, das ja
mmer im Rufe der Musterkolonie gestanden hat.
Togo liegt an der „Skavenküste“ zwischen dem
französischen Dahomé (O.) und der britischen
Boldküste (WV.), hat nur 50 km Küste, aber
260 km Innenausdehnung GBerlin-Wien). Die
Westgrenze bildet teilweise die schiffbare Volta,
die Ostgrenze der Monufluß, deren Wasserscheide
ein von 88W nach NNo streichendes Miitel—
gebirge ist. Der Regenfall ist, abgesehen vom
Gebirge, verhältnismäßig gering. Er erreicht
eine Höhe im deutschen Hochsommer, während
die Wintermonate trocken sind. Die Temperatur
schwankt im Mittel zwischen 25 und 28. im
Sudaän 810. An der Küste finden wir vielfach
Ldagunenbildungen, dahinter ein von den Kulturen
der Eingeborenen durchsetztes Buschland. Es
folgt die Zone der Olpalmen, dann die Baum—
teppe mit werwollen Schibutter-Bäumen. Urwald
zeigt sich nur im Gebirge und an den Flußläufen.
Die Kolonie wurde äm 5. Juli 1884 durch
Verträge des Generalkonsuls Nachtigall mit den
Küstenhäuptlingen deutsch. Sie ist etwas größer
als Bayern und hat 1 Million Einwohner, d. h. elf
auf den qkm, während Deutsch-Ostafrika nur acht,
Kamerun gar nur drei auf der gleichen Fläche auf⸗
zuweisen hat. Hinzukommt, daß diese Bevölkerung
zanz der Sudanrasse angehört, die die in unseren
fropischen Kolonien Afrikas überwiegenden Bantu—
völker an wirtschaftlicher Energie und Leistungs—
zähigkeit weit übertrifft. Dies und das Wirken
einer großen Anzahl besonders tüchtiger Beamter
— Gouverneure Graf Zech, Herzog Adolf Friedrich
zu Mecklenburg, Bezirksamtmänner Major
v. Döring, Dr. Gruner und Dr. Kersting — kam
n Togo
Kamerun
Südwestafrika
Deutsch⸗Ostafrika
„der Südsee
ind — zum Vergleiche —
in der belgischen Kongo—
kolonie (1922)
1714
1764
38
1690
1000
auf
53500)
Togo hatte also, gemessen an der Zahl
seiner Eingeborenen, eine normale, gemessen an
seiner Fläche, eine vergleichsweise starke be—
waffnete Macht. Die günfstigen Finanzverhältnisse
und die darauf beruhende Gunst in der Meinung
der Offentlichkeit und des Reichssstages ermög
lichten es dem Schutzgebiete, das ausgedehntefle
dem Schutzgebiete zustatten. Die Plantagen
pielten bei der dichten Besiedelung und dem
Erwerbstriebe der Eingeborenen immer nur eine
etundäre Rolle. Togo ist fast ausschließlich
Singeborenen- und Handelskolonie ge—
»lieben, d. h. die europäischen Handelshäuser
auften auf, was die Eingeborenen an über—
chießenden Produkten anboten und versorgten sie
afür mit europäischen Bedürfnissen. Der Handels—
imsatz belief sich 1888 auf knapp 4, zuletzt auf
21 Millionen Goldmark. Palmöl und Palm⸗
erne, zeitweise Mais, daneben Kautschuk, Baum—
volle, Kakao waren die Hauptprodukie. Die
kinfuhr stieg von 1902 bis 1912 auf mehr als
das doppelte, die Ausfuhr auf fast das doppelte.
Der Außenhandel lag in den Händen von zehn
deutschen und einem englischen Hause. Neben dem
Außenhandel bestand ein lebhaster Binnenhandel;
hei diesem ist der Sudanhandel von Interesse,
dem Haussaleute Kolanüsse gegen Vieh umd
Zchibutter umtauschten, um mit dem begehrten
Erfrischungsmittel das Hinterland (Sudans zu
jersorgen. Die Einnahmen des Schuß—
zebietes deckten seine Ausgaben und gaben in
nanchen Jahren sogar Überschüsse. Das ist
jesonders bemerkenswert, weil die Verwaltung
erhältnismäßig kostspielig war. Denn nach
lmfang, und Bevölkerungszahl übertraf Togo
aum eins der größeren Bezirksämter anderer
dolonien, die von etwa zehn, im Höchstfalle
‚wanzig Weißen mit 60—120 farbigen Polizisten
derwaltet wurden, während Togo als selbständige
dolonie einen Beamtenapparat von fast 100 und
zine Polizeitruppe von 560 Köpfen aufwies, was
illerdings noch wenig war im Vergleich mit der
ritischen Nachbarkolonie. Eine Schutztruppe hat
Togo allerdings nicht gehabt, aber wenn man
Polizei- und Schutztruppe zusammenzählt, entfallen
155 qkm
382
278
222
4068
Eingeborene
oder auf
0
farbiger Angehöriger
der bewaffneten Macht.
71
Eisenbahnsystem unter den afrikanischen
Kolonien anzulegen. Es war allerdings nur
330 kmGBerlin — Hamburg) lang, aber es kam
doch in Togo 1 kKm Bahn schon auf 260 km
Bodenfläche, gegenüber 400 in Südwestafrika,
300 in Deutsch-⸗Ostafrika und gar 1400 in Kamerun.
Beide Inlandbahnen, sowie die 1905 mit