Full text: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Industrie. 
hunderten die des Windes und des Wassers, wenn auch bis 
auf die Neuzeit in technisch unvollkommener Weise, benutzt 
worden. Als Kraftquellen der Neuzeit kamen dann aber 
der auf dem Urelement, dem Feuer, beruhende‘ Dampf hin- 
zu, der durch die Maschine die wirksamste Triebkraft wurde, 
und zu ihm gesellte sich die Elektrizität, die wohl bestimmt 
ist, in der späteren Zukunft der Erde eine bedeutende oder 
die ausschlaggebende Rolle zu spielen, da sie unerschöpf- 
liche Naturkräfte, hauptsächlich das bewegte Wasser, als 
Kraftquelle benutzt, während die das Feuer, die Kraftquelle 
des Dampfes, ernährenden Brennstoffe ihrer Erschöpfung 
entgegengehen., 
Der Wind wird seiner Unregelmäßigkeit wegen nie 
mehr ‚eine Rolle als Betriebskraft spielen. Anders dagegen 
das Wasser‘). Bei diesem war man durch die  ober- 
schlächtigen Räder zu einer Steigerung der Nutzkraft auf 
50—80% gekommen, und 1895 hatte Deutschland 46000 
Hauptgewerbebetriebe mit Wasserkraft von 0,6 Mill. Pferde- 
kräften, denen aber schon 57000 Dampfbetriebe mit 2,7 Mill. 
Pferdekräften gegenüberstanden. DerDam pf schien also auch 
die verbesserte Wasserausnutzung zu verdrängen, als plötzlich 
der Wasserkraft ein neuer ungeheuerer Weg des Fortschrittes 
eröffnet wurde. Die Erfindungen auf dem Gebiete der 
Elektrizität machten es möglich, die elektrische Kraft. auf- 
zuspeichern und auf weite Entfernungen an beliebige Ver- 
wendungsorte zu leiten. Dadurch wurde die Kraft starker 
natürlicher Wasserwirkungen, wie die Fälle und Strom- 
schnellen, wirtschaftlich nutzbar und der Ort der Kraft- 
erzeugung zur Anlage von Fabriken benutzt oder die Kraft 
nach anderen Punkten geleitet, die sich aus besonderen 
Gründen für die Errichtung industrieller Betriebe besser 
eigneten. 
; Dem Dampf verdanken wir die auf den Grundstoffen 
Kohle und Eisen beruhende moderne Fabrikindustrie, und 
in einer wirtschaftlich heute schon in Rechnung zu ziehenden 
Zeit wird sich in den Kohle und Eisen erzeugenden Ländern 
eine grundlegende Anderung in der Verwendung der Be- 
triebsmittel nicht vollziehen, so daß etwa wegen der Er- 
schöpfung der Kohlenvorräte heute schon auf Ersatz ge- 
sonnen werden müßte. Wenn das trotzdem geschieht, so 
hat es vielleicht mehr wirtschaftliche Gründe, indem man 
1) Vgl. Schmoller: Grundriß der allgemeinen Volkswirtschafts- 
Jehre: I Teil S- 212 u. 1. 
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