Full text: Wirtschaftspolitisches Handbuch von Rumänien

16 
Wirtschaftliche Verhältnisse 
eigenen Vieh und ihren Werkzeugen für Rechnung des Besitzers 
bearbeiten. Dort werden Güter von Tausenden von ha in Pacht ge 
nommen, ohne daß der Pächter Geld, Vieh, Maschinen, Werkzeuge 
oder Knechte besitzt. Und das ist die Regel. Wo die nötigen Bauern 
fehlen, werden sie aus der Fremde, aus Bulgarien, Serbien, 
Siebenbürgen und der Bukowina herbeigeholt und nach getaner 
Arbeit wieder fortgeschickt. 
Gebaut wird hauptsächlich Weizen und Mais. Der Weizen ist 
vorzüglicher Qualität, fordert wenig Arbeit und ist sehr ertragreich. 
Trotzdem kann Rumänien den Maisbau nicht entbehren. Dies ist 
durch den Wirtschaftsbetrieb und das Wetter bedingt. Die kritischen 
Perioden für das Gedeihen derFeldfrucht fallen fürMais und Weizen 
nicht zusammen. Wenn Ungunst des Wetters die Weizenernte zer 
stört, kann die Maisernte doch gut sein und umgekehrt. Wenn im 
Herbst die Ernte durch schlechtes Wetter so verspätet wird, daß die 
rechtzeitige Aussaat des Winterweizens nicht mehr überall möglich 
ist, wird ebensoviel mehr Mais gebaut. 
Jnbetreff der Auswahl der Pflanzen, des Fruchtwechsels und 
des Düngens hält man sich an gar keine Regel. Meist wird Weizen 
auf Brache, seltener nach Raps und Mais gebaut. Weizen nach 
Weizen zu bauen ist bei den Pächtern sehr verbreitet. Die Bauern 
säen ihren Weizen meist in Maisfelder, weshalb ihre Frucht weniger 
rein und wertvoll ist, als jene der Großgrundbesitzer, welche, wenn 
sie auch kein Vieh halten, ihren Boden doch stets rechtzeitig bestellen, 
während die Bauern wegen ihrer anderweitigen Verpflichtungen 
sich meist verspäten. Große Vorteile sind den Großgrundbesitzern 
und Pächtern aus der Einführung der Universalpflüge, der Erweite 
rung des Bahnnetzes, der Ausgestaltung der Schiffahrt, der Reduk 
tion der Bahntarife und dem Bau von Lagerhäusern erwachsen. 
Von all diesen Einrichtungen hat der Bauer keinen Nutzen. Er 
arbeitet noch auf die altgewohnte Weise, düngt niemals, verbrennt 
das Stroh, füllt mit dem Dünger Gruben aus oder heizt mit ihm 
den Ofen. 
Bebaut wurden im Jahre 1911 insgesamt 6021168 ha. Die 
einzelnen Kulturgattungen, ihr Ertrag und der Wert der Ernte sind 
aus der nebenstehenden Tabelle ersichtlich. 
Das Überwiegen der Weizen- und Maiskultur hat die nach 
teilige Folge, daß der wichtigste Teil des Jahreseinkommens des 
Landes stark vom Wetter abhängt. Die Schwankungen sind enorm 
und geben einen Ausschlag von Hunderten von Millionen; doch ist 
seit 1909 auch in den ungünstigsten Jahren der Wert der Eesamt- 
ernte nicht unter eine Milliarde gesunken, wohl der beste Beweis für 
die Fruchtbarkeit des rumänischen Bodens.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.