Full text : Wirtschaftspolitisches Handbuch von Rumänien

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Wirtschaftliche  Verhältnisse

eigenen  Vieh  und  ihren  Werkzeugen  für  Rechnung  des  Besitzers
bearbeiten.  Dort  werden  Güter  von  Tausenden  von  ha  in  Pacht  genommen, ­
  ohne  daß  der  Pächter  Geld,  Vieh,  Maschinen,  Werkzeuge
oder  Knechte  besitzt.  Und  das  ist  die  Regel.  Wo  die  nötigen  Bauern
fehlen,  werden  sie  aus  der  Fremde,  aus  Bulgarien,  Serbien,
Siebenbürgen  und  der  Bukowina  herbeigeholt  und  nach  getaner
Arbeit  wieder  fortgeschickt.
Gebaut  wird  hauptsächlich  Weizen  und  Mais.  Der  Weizen  ist
vorzüglicher  Qualität,  fordert  wenig  Arbeit  und  ist  sehr  ertragreich.
Trotzdem  kann  Rumänien  den  Maisbau  nicht  entbehren.  Dies  ist
durch  den  Wirtschaftsbetrieb  und  das  Wetter  bedingt.  Die  kritischen
Perioden  für  das  Gedeihen  derFeldfrucht  fallen  fürMais  und  Weizen
nicht  zusammen.  Wenn  Ungunst  des  Wetters  die  Weizenernte  zerstört, ­
  kann  die  Maisernte  doch  gut  sein  und  umgekehrt.  Wenn  im
Herbst  die  Ernte  durch  schlechtes  Wetter  so  verspätet  wird,  daß  die
rechtzeitige  Aussaat  des  Winterweizens  nicht  mehr  überall  möglich
ist,  wird  ebensoviel  mehr  Mais  gebaut.
Jnbetreff  der  Auswahl  der  Pflanzen,  des  Fruchtwechsels  und
des  Düngens  hält  man  sich  an  gar  keine  Regel.  Meist  wird  Weizen
auf  Brache,  seltener  nach  Raps  und  Mais  gebaut.  Weizen  nach
Weizen  zu  bauen  ist  bei  den  Pächtern  sehr  verbreitet.  Die  Bauern
säen  ihren  Weizen  meist  in  Maisfelder,  weshalb  ihre  Frucht  weniger
rein  und  wertvoll  ist,  als  jene  der  Großgrundbesitzer,  welche,  wenn
sie  auch  kein  Vieh  halten,  ihren  Boden  doch  stets  rechtzeitig  bestellen,
während  die  Bauern  wegen  ihrer  anderweitigen  Verpflichtungen
sich  meist  verspäten.  Große  Vorteile  sind  den  Großgrundbesitzern
und  Pächtern  aus  der  Einführung  der  Universalpflüge,  der  Erweiterung ­
  des  Bahnnetzes,  der  Ausgestaltung  der  Schiffahrt,  der  Reduktion ­
  der  Bahntarife  und  dem  Bau  von  Lagerhäusern  erwachsen.
Von  all  diesen  Einrichtungen  hat  der  Bauer  keinen  Nutzen.  Er
arbeitet  noch  auf  die  altgewohnte  Weise,  düngt  niemals,  verbrennt
das  Stroh,  füllt  mit  dem  Dünger  Gruben  aus  oder  heizt  mit  ihm
den  Ofen.
Bebaut  wurden  im  Jahre  1911  insgesamt  6021168  ha.  Die
einzelnen  Kulturgattungen,  ihr  Ertrag  und  der  Wert  der  Ernte  sind
aus  der  nebenstehenden  Tabelle  ersichtlich.
Das  Überwiegen  der  Weizen-  und  Maiskultur  hat  die  nachteilige ­
  Folge,  daß  der  wichtigste  Teil  des  Jahreseinkommens  des
Landes  stark  vom  Wetter  abhängt.  Die  Schwankungen  sind  enorm
und  geben  einen  Ausschlag  von  Hunderten  von  Millionen;  doch  ist
seit  1909  auch  in  den  ungünstigsten  Jahren  der  Wert  der  Eesamternte
  nicht  unter  eine  Milliarde  gesunken,  wohl  der  beste  Beweis  für
die  Fruchtbarkeit  des  rumänischen  Bodens.
            
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