selbst heraus, sie arbeiten nach Vorbildern, deren Erschaffungs—
geheimnis längst verloren gegangen ist. So entstehen die Werke,
die keine Eigenart besitzen, die nicht den Stempel schöpferischer
Kraft tragen. Was nutzt es, daß wir den durch unser Lernen
und Vergleichen herangezogenen Geschmack walten lassen. Wir
erreichen nur Täuschung der Massen. Den Geist des Werkbundes
erfüllen wir damit nicht. Nichts ist bestimmender für diesen als
die Ehrlichkeit, mit der wir uns selbst in unserem Werke zu geben
haben. Sei dieses auch einfach, unvollkommen und ärmlich. Der
Name Handwerk ist ein hoher und sollte nicht mißbraucht werden
für Nachahmungsprodukte, wie man sie zu Tausenden sieht.
Unsere Industrie schafft häufig Dinge, die nichts sind als schwäch—
ster Abklatsch mißverstandener Formen. Von der Ursprünglich—
keit des Werkes, von dem Geist, der die Schöpfung bewegte, ist
nichts mehr zu spüren. So kommt es denn zu diesen entsetzlichen
Kunstgewerbe-Erzeugnissen, wie man sie tausendfach auf den
Messen sieht. Einen Tag lang kann man wandern durch Säle,
durch Häuser, durch Ausstellungsräume und kommt doch zu keiner
Ausbeute an Werken, die eigene schöpferische Kraft ausstrahlen.
Wenn ich mir erlauben darf, einen Vergleich zur großen Kunst
zu ziehen, so möchte ich die Kunst des Griechischen erwähnen,
welche in der Frühzeit und Hochblüte stärkste geistige Betätigung
gewesen ist, in der immer das Gefühl die Form überboten hat —
und die Kunst der Römer, bei welcher immer die Form überwog
und das Gefühl schließlich ganz in den Hintergrund getreten ist,
so daß wir uns langweilen, wenn wir eine Galerie mit der—
artigen formvollendeten Standbildern durchschreiten. Und dennoch
ist die im fernen Lande vor Jahrtausenden gewonnene Form
noch heute so stark, daß selbst ernsthafte Künstler versuchen, diesen
klassischen Geist durch Nachahmung einzufangen. O diese Toren
— fangen sie doch die Sonne im Sacke nicht. Zu Hundert—
tausenden, zu Millionen aber finden sich Nachbildungen des auf
fremdem Boden Gewachsenen in Guß und Gips in Waren—
häusern, auf Märkten, in allen Geschäften. Und immer heißt es
dann: „Unsere Kultur“. O dieser Spott. Unsere Literatur,
unsere Sitten, unser Rechtsempfinden, unsere Kunst formte der
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