Full text: Fortschritt und Armut

Kap. II. 
Folgerungen aus Tatsachen. 
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warum Godwin, dessen „Politische Gerechtigkeit" den „versuch über 
die Bevölkerung" hervorrief, bis auf seine alten Tage verschmähte darauf 
zu antworten. Das Buch beginnt mit der Annahme, daß die Bevölke 
rung die Tendenz habe, in geometrischem Verhältnis zuzunehmen, 
während die Unterhaltsmittel bestenfalls nur im arithmetischen Ver 
hältnis vermehrt werden könnten —> eine Annahme, die genau soviel 
wert hat, als wenn man aus dem Umstande, daß einem jungen Lsunde 
der Schwanz doppelt so lang wuchs, während er gleichzeitig so und so 
viele Pfunde an Gewicht zunahm, eine geometrische Progression des 
Schwanzes und eine arithmetische Progression des Gewichtes herleiten 
wollte. Und die Folgerung aus der Annahme ist just von der Art, wie 
sie eine Swiftsche Satire den Gelehrten einer früher hundelosen Insel 
zugeschrieben haben könnte, die durch Verknüpfung dieser beiden Ver 
hältnisse zu der sehr „auffallenden Konsequenz" gelangen, daß bis zu 
der Zeit, wo der pund ein Gewicht von fünfzig Pfund erreicht habe, 
sein Schwanz über eine Uleile lang und äußerst schwer zu bewegen sein 
werde, weshalb sie die vorbauende Hemmung einer Bandage als einzige 
Alternative gegen die positive Hemmung fortwährender Amputationen 
empfehlen. Ulit einer solchen Absurdität fängt das Buch an und enthält 
dann ein langes Plädoyer für die Erhebung von Einfuhrzöllen und für 
eine Ausfuhrprämie auf Getreide, eine Ansicht, die jetzt längst schon in 
die Rumpelkammer antiquierter Irrtümer geworfen ist. Und in den 
beweisführenden Teilen des Werkes stößt man überall auf Stellen, 
welche die lächerlichste Unfähigkeit für logisches Denken bei dem ehr 
würdigen Herrn beweisen, wie z. B. daß, wenn der Lohn von *8 Pence 
oder 2 Schilling auf 5 Schilling täglich stiege, das Fleisch notwendig 
von 8 oder 9 Pence auf 2 oder 3 Schilling per Pfund steigen müsse, 
so daß die Lage der arbeitenden Klasse dadurch nicht verbessert werden 
würde, eine Behauptung, für die ich keinen besseren vergleich weiß, 
als die Ansicht, die ich eines Tages von einem Setzer ernsthaft vortragen 
hörte: daß, weil ein ihm bekannter Schriftsteller vierzig Iahre alt war, 
als er zwanzig zählte, derselbe jetzt achtzig Iahre alt sein müsse, weil er 
(der Setzer) nunmehr die Vierzig erreicht habe. Diese Gedankenver 
wirrung tritt nicht bloß hier oder da hervor, sie charakterisiert das ganze 
Werk*). Der Hauptteil desselben ist mit Dingen angefüllt, die in wirk- 
*) Malthus' anbete Werke wurden zwar erst geschrieben, nachdem er berühmt 
geworden, machten aber keinen Eindruck und wurden selbst von denen mit Verachtung 
behandelt, die in dem „versuch" eine große Entdeckung fanden. Die Encyclopaedia 
Britannica z.B. akzeptiert zwar die Ulalthussche Theorie, sagt aber von seiner National 
ökonomie: „Sie ist sehr schlecht eingeteilt und in keiner Beziehung eine praktische noch 
eine wissenschaftliche Darstellung des Gegenstandes. Sie ist größtenteils angefüllt mit 
einer Prüfung gewisser Partien von Ricardos Lehren, sowie mit einer Untersuchung 
der Natur und Ursachen des wertes. Nichts jedoch kann weniger befriedigend sein als 
diese Erörterungen. Die Wahrheit ist, daß NIalthus nie eine klare oder bestimmte Vor 
stellung von den Theorien Ricardos oder von den Grundsätzen hatte, welche beim Tausch 
verschiedener Artikel den wert bestimmen."
	        
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