Buch II.
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Bevölkerung und Unterhaltsmittel.
register und Ahnentafeln jede Prämie gewährt wird, trotzdem in einer
Aristokratie wie der englischen so viele Adelsgeschlechter aussterben und
das chaus der Lords von Jahrhundert zu Jahrhundert nur durch neue
Ernennungen ergänzt werden kann?
Um das vereinzelte Beispiel einer Familie zu finden, die einen
großen Zeitraum überlebt hat, obgleich ihr Einkommen und ihre Ehre
gesichert waren, müssen wir nach dem unveränderlichen Ehina gehen.
Die Nachkommen von Konfuzius existieren dort noch und genießen be
sondere Vorrechte und Achtung, indem sie tatsächlich die einzige erbliche
Aristokratie bilden. Der Annahme zufolge, daß die Bevölkerung sich
alle 25 Jahre zu verdoppeln strebe, müßten sie sich in 21[50 Jahren nach
Konfuzius Tode jetzt auf 859 55g \y5 106 709 670 198 71.0 528 Seelen
belaufen. Anstatt einer so undenkbaren Zahl bezifferten sich die Nach
kommen von Konfuzius 2\50 Jahre nach seinem Tode, unter der Re
gierung Kanghis, auf hh 000 männliche Personen, sagen wir insgesamt
22000 Seelen. Dies ist eine gewaltige Abweichung, und eine um so
schlagendere, wenn man sich erinnert, daß die Achtung, in welcher diese
Familie um ihres Ahnen, „des heiligsten Lehrers des Altertums", willen
steht, die Einwirkung der positiven Hemmung gewiß verhindert hat,
während die Lehrsätze des Konfuzius alles, nur nicht die vorbauende
Hemmung einprägen.
Nun mag gesagt werden, daß selbst diese Vermehrung noch groß
genug sei. 22 000 Personen, die in 21.50 Jahren von einem einzigen
Paare abstammen, bleiben zwar weit hinter dem Malthusschen Ver
hältnis zurück, könnten aber immerhin genügen, eine Übervölkerung
als möglich hinzustellen.
Ls ist indes zu bedenken, daß die Vermehrung von Nachkommen
keine Vermehrung der Bevölkerung beweist. Sie könnte dies nur dann
tun, wenn die Zeugung immer in der Familie bliebe. Schmidt und seine
Frau haben einen Sohn und eine Tochter, die anderer Leute Tochter
und Sohn heiraten, und von denen jedes Paar dann zwei Kinder hat.
Schmidt und seine Frau hätten so vier Enkel, aber in der einen Generation
wären nicht mehr als in der anderen —Jedes Kind hätte vier Großeltern.
Angenommen dieser Prozeß ginge so fort, so könnte sich die Nachkommen
schaft leicht in Hunderte, Tausende und Millionen ausbreiten. Aber in
jeder Generation der Nachkommenschaft würden nicht mehr Individuen
als in irgendeiner früheren Generation der Ahnen sein. Das Gewebe
der Generationen ist gleich einem Gitterwerk oder gleich den diagonalen
Linien in Geweben. Geht man oben von irgendeiner Stelle derselben
aus, so verfolgt das Auge Linien, die unten weit auseinanderlaufen;
geht man dann aber von einer Stelle unten aus, so laufen die Linien
nicht minder nach oben auseinander. Wie viele Kinder ein Mensch
haben kann, ist zweifelhaft. Aber daß er zwei Eltern hatte, ist gewiß,
und daß diese wieder zwei Eltern hatten, ist auch gewiß, verfolgt man
diese geometrische Proportion durch einige Generationen, so wird man