Full text : Fortschritt und Armut

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Vorwort  des  Übersetzers.

getrosten,  daß  dasselbe  auch  in  Deutschland  keinem  fremd  bleiben
wird,  der  sich  ernsthaft  mit  den  Fragen  der  Gesellschaft  befaßt.  Ebensowenig ­
  ist  das  Buch  leicht  zu  charakterisieren.  Don  philosophischer
Tiefe,  ist  es  doch  im  Stil  überaus  populär;  vollkommen  radikal,  ist
es  doch  konservativ  und  religiös;  obwohl  sein  Standpunkt  demokratisch
ist,  deckt  es  doch  schonungslos  die  Schwächen  und  die  Korruption  der
Demokratie  auf,  und  eines  seiner  ergreifendsten  Kapitel  ist  dasjenige,
in  welchem  nachgewiesen  wird,  daß  das  volkstümliche  Regierungsf^stem
  der  Vereinigten  Staaten  mit  schnellen  Schritten  den  Gang
aller  früheren  Demokratien  zu  Anarchie  und  Militärdespotismus  nimmt.
Nichtsdestoweniger  ist  es  kein  Buch  der  Kompromisse,  vielmehr  beruht
es  auf  einer  klar  und  scharf  ausgeprägten  Theorie,  die,  ob  wahr  oder
falsch,  wenigstens  das  Verdienst  einer  wunderbaren  Einheit  und  Konsistenz ­
  hat;  weder  rechts  noch  links  abweichend,  geht  sie  gerade  auf  ihr
Ziel  los,  indem  sie  dem  Atheismus,  dem  Materialismus  und  dem  Darwinismus ­
  mit  derselben  Kühnheit  entgegentritt  wie  den  nationalökonomischen ­
  Theorien  der  Malthus  und  Ricardo.  Schließlich  kann  das
Werk  ebensowenig  als  optimistisch  wie  als  pessimistisch  bezeichnet  werden,
denn  während  sein  ganzer  Zweck  der  Beweisführung  gilt,  daß  mit
einer  einzigen  Maßregel  eine  unvergleichlich  höhere  Zivilisation  erreichbar ­
  sei,  finden  sich  darin  mehr  als  bloße  Andeutungen,  daß  tatsächlich ­
  der  heutige  Fortschritt  ganz  den  Verlauf  früherer  Glanzperioden
nehme  und  die  moderne  Zivilisation  ihrem  Höhepunkte  schnell  entgegeneile. ­

Genug,  es  gehört  dies  Buch  zu  jenen  seltenen  Erzeugnissen  des
Geistes,  die  nicht  wohl  charakterisiert  werden  können,  und  niemand
wird  es  lesen,  ohne  den  Eindruck  zu  gewinnen,  daß  es  eines  jener  Griginalwerke
  ist,  welche,  in  langen  Zwischenräumen  erscheinend,  den  Gedanken
neue  Richtungen  geben  und  die  Arena  für  einen  neuen  Kampf  der
Meinungen  eröffnen.
San  Francisco,  im  August  t880.
L.  9.  F.  GLtfchow.
            
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