283 —
umstände abstumpfte. Die Schlachtfelder waren nicht ver-
hängnisvoller als die von den Kapitalisten gelieferten Ma-
terialien?).
Als einer der bedeutendsten Kapitalisten seiner Zeit ist
Cornelius Vanderbilt immer als ein großer und vorbildlicher
Patriot hingestellt worden. Genau wie Croffut Vanderbilts
Beteiligung an den Postschwindeleien nicht erwähnt, son-
dern im Gegenteil ihm bei seiner Postbeförderung den
leuchtendsten Patriotismus nachrühmt, so heben er und
andere Autoren die patriotischen Taten des alten Magnaten
während des Bürgerkrieges rühmend hervor. Auf diese
Weise ist manches erdichtet worden, obwohl die wirklichen
Tatsachen feststellbar waren. Diese Tatsachen beweisen, daß
1) Hier sei eines von vielen Beispielen angeführt: der Geschützfabrikant Philip S.
Justice in Philadelphia schloß im Jahre 186r einen Vertrag auf Lieferung von
4000 Flinten ab. Er berechnete pro Stück 20 Dollar. Es stellte sich jedoch heraus,
daß die Gewehre für die Soldaten, die sie benutzten, direkt gefährlich waren, so daß
die Regierung es für einen Teil der Flinten ablehnte, den geforderten Preis zu zahlen,
Daraufhin strengte Justice einen Prozeß an. Vgl. Court of Claims Reports, Bd. 8,
S. 37—54. In den Verhandlungsberichten finden sich folgende Angaben:
Der Generalstabsoffizier William H. Harris besichtigte das Lager in Hamilton,
Virginia, und inspizierte die Waffen des dort stationierten 85. Regiments der Frei-
willigen von Pennsylvania, Er berichtete darüber: Dieses Regiment ist mit Flinten
bewaffnet, die am Lauf die Firma P, S. Justice, Philadelphia, tragen und im Kaliber
zwischen 65 und 70 varlieren. Viele dieser Flinten sind unbrauchbar und auch nicht
zu reparieren, da die Hauptteile defekt sind; viele sind aus Gewehrteilen hergestellt,
die von dem inspizierenden Offizier beanstandet wurden. Die Kolben sind über-
haupt nicht von einem Offizier anerkannt, noch mit einem Kontrollzeichen versehen.
Sie sind aus weichem, nicht ausgetrocknetem Holz hergestellt und in der Konstruk-
tion fehlerhaft. Das Visier ist nur an den Lauf angelötet und bricht bei der gering-
sten Berührung ab usw. usw.
Der Oberst und spätere General Thomas D. Doubleday berichtete wie folgt
über seine Inspizierung: „Die Waffen, die in Philadelphia hergestellt sind, sind
von der allerschlechtesten Sorte und anscheinend aus alten beanstandeten Ge-
wehren hergestellt. Viele davon zerbrechen, die Visiere fallen nach dem Entladen
ab, die Läufe sind sehr leicht, kein zwanzigstel Zoll dick, die Kolben sind aus grünem
Holz, das so eingetrocknet ist, daß die Beschläge sich lockerten. Die Bajonette sind
derart zerbrechlich, daß sie sich wie Blei biegen. Viele zerbrechen schon bei der
Inspizierung. Man kann sich kaum so wertlose Waffen vorstellen, die für den Ge-
brauch gänzlich ungeeignet und sogar gefährlich sind.“ (S. 44.) Ähnliches schreibt
General John Buford.
Aus streng technischen Gründen entschied der Court of Claims zugunsten von
Justice, aber das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten verwarf das Urteil und
wies die Klage ab. Das Oberste Gericht bestätigte den Standpunkt der Regierung,
„daß die Waffen unbrauchbar und zugleich für die Handhabenden gefährlich wären“.
Viele weitere derartig spezifische Beispiele sind in den folgenden Kapiteln
dieses Werkes enthalten.