Full text : Fortschritt und Armut

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Bevölkerung  und  Unterhaltsmittel.

Buch  II.

Häufigkeit  ist  pungernot  auf  Hungersnot  gefolgt,  nur  immer  weitere
Flächen  mit  größerer  Heftigkeit  verheerend.
Ist  dies  nicht  ein  Beweis  der  Malthusschen  Theorie?  Zeigt  dies
nicht,  daß,  soviel  auch  die  Zugänglichkeit  der  Unterhaltsmittel  vermehrt
wird,  die  Bevölkerung  doch  fortfährt,  gegen  dieselben  anzudrängen?
Zeigt  es  nicht,  daß  Malthus  Recht  hatte,  wenn  er  behauptete,  die  Schleusen
zu  schließen,  durch  welche  die  überflüssige  Bevölkerung  fortgeschafft
werde,  heiße  nur  soviel  als  die  Natur  zu  zwingen,  sich  andere  zu  öffnen
und  daß,  wenn  die  (Quellen  menschlicher  Vermehrung  nicht  durch  Regulierungen ­
  der  Vorsicht  eingedämmt  werden,  nur  zwischen  Krieg  und
Hungersnot  die  Wahl  bleibt?  Dies  war  die  orthodoxe  Erklärung.  Aber
die  Wahrheit  ist,  wie  aus  den  bei  den  jüngsten  Erörterungen  der  indischen
Angelegenheiten  in  den  englischen  Blättern  enthüllten  Tatsachen  ersichtlich, ­
  daß  diese  Heimsuchungen  von  Hungersnot,  welche  Millionen
hinweggerafft  haben  und  noch  hinwegraffen,  dem  Druck  der  Bevölkerung ­
  gegen  die  natürlichen  Grenzen  der  Unterhaltsmittel  ebensowenig
zuzuschreiben  sind,  wie  die  Verheerung  des  Earnatic,  als  Ljyder  Alis
Reiter  wie  ein  verheerender  Sturmwind  über  dasselbe  hereinbrachen.
Die  Millionen  Indiens  haben  ihre  Nacken  unter  das  Joch  mancher
Eroberer  gebeugt,  aber  das  schlimmste  von  allen  ist  das  beständige,
erdrückende  Gewicht  der  englischen  Herrschaft,  ein  Gewicht,  welches
buchstäblich  Millionen  aus  dem  Dasein  hinausdrückt  und,  wie  englische
Schriftsteller  zeigen,  zu  einer  überaus  schrecklichen  und  weit  verbreiteten
Katastrophe  führen  muß.  Auch  andere  Eroberer  haben  im  Lande  gelebt,
und,  so  schlecht  und  tyrannisch  ihre  Herrschaft  war,  so  haben  sie  doch
das  Volk  verstanden  und  sind  von  demselben  verstanden  worden;  jetzt
aber  gleicht  Indien  einem  großen  Grundbesitz,  der  einem  abwesenden
und  fremdländischen  Herrn  gehört.  Es  werden  höchst  kostspielige  Militärund
  Zivileinrichtungen  aufrecht  erhalten,  geleitet  und  mit  Offizieren
versehen  durch  Engländer,  die  Indien  nur  als  einen  Platz  zeitweiligen
Exils  ansehen;  und  eine  enorme,  aus  wenigstens  20  Millionen  £  jährlich
zu  veranschlagende  Summe  (die  von  einer  Bevölkerung  erhoben  wird,
wo  Arbeiter  in  guten  Zeiten  froh  sind,  für  \ 1 / 2  bis  4  Pence  täglich  zu
arbeiten)  fließt  in  Form  von  Rimessen,  Pensionen,  europäischen  Regierungsunkosten
  usw.  nach  England  —  ein  Tribut,  für  den  kein  Gegensatz ­
  zurückkommt.  Die  ungeheuren,  aus  Eisenbahnen  verschwendeten
Summen  haben,  wie  die  Betriebsergebnisse  beweisen,  sich  als  unproduktive
Anlagen  herausgestellt;  die  größten  Bewässerungswerke  find  meistenteils
ebenso  kostspielig  als  verfehlt.  In  großen  Teilen  Indiens  verliehen  die
Engländer,  von  dem  Wunsche  geleitet,  eine  Klasse  von  Grundbesitzern
zu  schassen,  absoluten  Besitz  von  Grund  und  Boden  an  erbliche  Steuereinnehmer, ­
  die  die  Bauern  unbarmherzig  durch  die  Pachtschraube  ausplündern. ­
  In  anderen  Teilen,  wo  die  Pacht  noch  durch  den  Staat  in
Form  einer  Grundsteuer  erhoben  wird,  sind  die  Ansätze  so  hoch  und  die
Steuern  werden  so  rücksichtslos  eingetrieben,  daß  die,  selbst  in  guten
            
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