Kap. II.
Folgerungen aus Tatsachen.
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völkerung auf die Fähigkeit des Landes zur Hervorbringung von Unter
haltsmitteln zuschreiben. Könnten die Bauern ihr kleines Kapital be
halten, könnten sie von der Auslaugung befreit werden, die selbst in
den von Hungersnot freien Jahren große Massen von ihnen zu einem
Leben zwingt, das nicht nur hinter dem für die Sepoys notwendig
erachteten, sondern auch hinter dem Leben zurückbleibt, welches englische
Humanität den Insassen der Gefängnisse zubilligt — so würde der wieder
auflebende Gewerbfleiß produktivere Formen annehmen und un
zweifelhaft genügen, um eine viel größere Bevölkerung zu erhalten.
Ls gibt in Indien noch große unbebaute Flächen, bedeutende unberührte
Mineralschätze, und es ist gewiß, daß die Bevölkerung weder jetzt, noch
überhaupt je zuvor in historischen Zeiten, die wirkliche Grenze der Boden
kraft, oder selbst nur den Punkt, wo diese Kraft mit den an sie gestellten
zunehmenden Ansprüchen abzunehmen anfängt, erreicht hat. Die wahre
Ursache des Mangels war und ist noch jetzt die Habgier der Menschen,
nicht die Kargheit der Natur.
was von Indien gilt, gilt nicht minder von Lhina. So dicht es
in vielen Teilen bevölkert ist, so wird doch durch viele Tatsachen bewiesen,
daß die äußerste Armut der unteren Klassen ähnlichen Ursachen wie in
Indien, nicht aber einer zu großen Bevölkerung zugeschrieben werden
nruß. Ls herrscht Unsicherheit, die Produktion wird unendlich benach
teiligt, und der Handel ist gefesselt, wo die Regierung eine Aufeinander-
solge von Erpressungen ist und die Sicherheit für das Kapital von einem
Mandarinen erkauft werden muß, wo die Schultern der Menschen das
einzige Transportmittel für den Binnenverkehr sind, wo die Dschunke
so gebaut sein muß, daß sie für die offene See unbrauchbar ist, wo das
Piratenwesen ein regelmäßiges Geschäft ist und Räuber oft in Regimentern
marschieren, da muß Armut herrschen und eine schlechte Ernte in Hungers
not enden, gleichviel wie dünn die Bevölkerung ist*). Daß Lhina im
stande wäre, eine viel größere Bevölkerung zu ernähren, wird nicht
nur durch die von allen Reisenden bezeugte große Ausdehnung un
bebauten Landes bewiesen, sondern auch durch die unermeßlichen,
unbearbeiteten Lager von Mineralien, welche, wie man weiß, dort
vorhanden sind. So soll Lhina z. B. die größten und schönsten Kohlen
lager besitzen, die je irgendwo entdeckt wurden, wie sehr der Abbau
dieser Kohlenlager die Fähigkeit des Landes erhöhen würde, eine größere
Bevölkerung zu erhalten, kann man sich leicht vorstellen. Kohlen sind
allerdings kein Nahrungsmittel, aber ihre Produktion hat gleichen wert
wie die Produktion von Nahrungsmitteln. Denn die Kohlen können
nicht allein, wie dies in allen Bergwerksdistrikten geschieht, gegen Nah
rungsmittel umgetauscht werden, sondern die durch ihre Verbrennung
entwickelte Kraft kann zur Erzeugung von Nahrungsmitteln selbst ver
wandt werden oder Arbeit zu diesem Behufe freimachen.
*) Der Sitz der letzten Hunaernot in Lhina war nicht in den arn dichtesten be
wohnten Distrikten.