Full text : Fortschritt und Armut

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Bevölkerung  und  Unterhaltsmittel.

Buch  II.

Bedingungen  zu  arbeiten,  die  ihnen  die  Hoffnung,  die  Selbstachtung,
die  Willenskraft  und  den  Sparsamkeitstrieb  nehmen  müssen,  wo  abwesende ­
  Gutsherren  wenigstens  ein  Viertel  des  Reinertrags  des  Grund
und  Bodens  beziehen,  ohne  etwas  dagegen  zurückzugeben,  und  wo  dis
hungernden  Arbeiter  außer  ihnen  noch  die  im  Lande  ansässigen  Gutsherren ­
  nebst  ihren  Pferden  und  funden,  Agenten  und  Inspektoren,
Makler  und  Gerichtsdiener,  eine  fremde,  ihre  religiösen  Vorurteile
beleidigende  Staatskirche  und  ein  Lfeer  von  Polizisten  und  Soldaten
erhalten  müssen,  die  jeden  widerstand  gegen  das  aller  Gerechtigkeit
hohnsprechende  System  einzuschüchtern  und  niederzuhalten  haben?
Ist  es  nicht  eine  Gottlosigkeit,  die  weit  schlimmer  ist  als  Atheismus,
die  Naturgesetze  für  das  so  geschaffene  Glend  verantwortlich  zu  machen?
was  für  diese  drei  Fälle  gilt,  wird  bei  näherer  Prüfung  in  allen
anderen  Fällen  zutreffend  gefunden  werden.  Soweit  unsere  Kenntnis
der  Tatsachen  reicht,  können  wir  ruhig  in  Abrede  stellen,  daß  die  Bevölkerungszunahme
  je  auf  die  Unterhaltsmittel  in  solcher  weife  gedrückt
habe,  um  Elend  und  Laster  hervorzubringen,  daß  die  Vermehrung  der
Menschenzahl  je  die  Produktion  von  Lebensmitteln  verringert  habe.
Die  Pungersnotperioden  Indiens,  Chinas  und  Irlands  können  der
Übervölkerung  so  wenig  zugeschrieben  werden,  wie  die  pungersnoterscheinungen
  in  dem  dünn  bevölkerten  Brasilien.  Das  dem  Mangel
entspringende  Laster  und  Elend  kann  so  wenig  der  Kargheit  der  Natur
zugeschrieben  werden,  wie  die  durch  das  Schwert  von  Dschingis  Khan
erschlagenen  6  Millionen,  die  Tamerlansche  Pyramide  von  Menschenschädeln ­
  oder  die  Ausrottung  der  alten  Briten  und  der  Ureinwohner
Westindiens.

Kapitel  III.
Folgerungen  aus  Analogien.
wenden  wir  uns  von  der  Prüfung  der  zugunsten  der  Malthusfchen
  Theorie  beigebrachten  Tatsachen  nun  zu  den  Analogien,  die  sie
stützen  sollen,  so  finden  wir  denselben  Mangel  an  Beweiskraft.
Die  Stärke  der  reproduktiven  Kräfte  im  Tier-  und  Pflanzenreich  —
Tatsachen  wie  die,  daß  ein  einziges  Lachspaar,  wenn  es  nur  ein  paar
Jahre  vor  seinen  natürlichen  Feinden  geschützt  wäre,  den  Ozean  anfüllen
könnte;  daß  ein  Kaninchenpaar  unter  gleichen  Umständen  sich  bald
über  einen  ganzen  Erdteil  verbreiten  würde;  daß  viele  pflanzen  ihre
Saat  hundertfach  ausstreuen  und  einige  Insekten  Tausende  von  Eiern
legen,  und  daß  allenthalben  in  diesen  Reichen  jede  Art  beständig  danach
strebt  und,  falls  nicht  durch  die  Zahl  ihrer  Feinde  beschränkt,  wirklich
dahin  gelangt,  gegen  die  Grenzen  ihres  Lebensunterhalts  zu  drücken  —
            
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