Full text: Fortschritt und Armut

Kap. in. 
Holqerunqen aus Analogien. 
riger machen können, ohne das Niveau nicht bloß des Ozeans, an dem 
sie liegt, sondern aller Meere und Ozeane der Welt niedriger zu machen, 
so ist die Grenze der Subsistenzmittel eines besonderen Platzes nicht 
die physische Grenze jenes Platzes allein, sondern der ganzen Erde. 
Fünfzig (engl.) Ouadratmeilen Landes werden beim gegenwärtigen 
Stande der Landwirtschaft nur für einige tausend Menschen Unterhalt 
schassen, aber aus den 50 Ouadratmeilen, welche die 5tadt London 
umfaßt, werden an die 4 Millionen erhalten, und die Unterhaltsmittel 
nehmen zu, wie die Bevölkerung zunimmt. Soweit es sich um die Grenze 
der Unterhaltsmittel handelt, kann London auf eine Bevölkerung von 
Wo Millionen, oder 500, oder w»0 Millionen anwachsen, denn es zieht 
seinen Unterhalt aus der ganzen Welt, und die Grenze, welche die 
Unterhaltsmittel seinem Bevölkerungszuwachs setzen, ist die dem Erdball 
gesetzte Grenze, Nahrung für seine Bewohner zu liefern. 
bsier wird jedoch ein anderer Gedanke, an dem die Malthussche 
Theorie eine große Stütze hat, auftauchen —- der der abnehmenden 
Ertragsfähigkeit des Landes. Als zwingender Beweis des Gesetzes 
von der abnehmenden Ertragsfähigkeit des Landes wird in den her 
kömmlichen nationalökonomischen Büchern angeführt, daß, wenn das 
Land nicht tatsächlich über einen gewissen Punkt hinaus den vermehrten 
Aufwendungen von Arbeit und Kapital gegenüber immer weniger er 
gäbe, die zunehmende Bevölkerung keine Ausdehnung des Anbaues 
veranlassen würde, sondern alle die benötigten Ausuhrvermehrungen 
beschafft werden könnten und würden, ohne daß neues Land in Anbau 
genommen werde. Gibt man dies zu, so scheint man auch die Lehre 
Zugeben zu müssen, daß die Schwierigkeit, Subsistenzmittel zu gewinnen, 
mit der Bevölkerungszunahme sich vermehren müsse. 
Aber ich glaube, diese Notwendigkeit ist nur eine scheinbare. Zer 
gliedert man den Satz, so wird man finden, daß er einer Klasse angehört, 
deren Richtigkeit von einer in ihm einbegriffenen oder angenommenen 
Qualifikation abhängt — einer relativen Wahrheit, die, absolut genommen, 
eine Unwahrheit wird. Denn daß der Mensch die Naturkräfte nicht er 
schöpfen oder vermindern kann, folgt aus der Unzerstörbarkeit des Stoffes 
und der Beständigkeit der Kraft. Produktion und Konsumtion sind bloß 
relative Ausdrücke. Absolut gesprochen, produziert weder der Mensch 
noch konsumiert er. Das ganze Menschengeschlecht, und wenn es bis 
in alle Ewigkeit arbeitete, könnte diese rollende Kugel nicht um ein Atom 
schwerer oder leichter machen, und die Summe der Kräfte, deren ewiges 
kreisen alle Bewegung erzeugt und alles Leben erhält, nicht um ein 
)ota vermehren oder vermindern, wie das Wasser, das wir aus dem 
^leere nehmen, wieder zum Meere zurückkehren muß, so ist die Nahrung 
öie wir den Vorräten der Natur entnehmen, von dem Augenblick an, 
öa wir sie nehmen, schon wieder auf dem Rückwege zu jenen Vorräten 
wegrissen. Was wir einer beschränkten Fläche Landes entnehmen, kann 
Zeitweilig die Ertragsfähigkeit dieses Landes vermindern, weil die
	        
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