Object: Neueste Zeit (Abt. 3)

Ciquidation der alten Formen des wirts chaftl. u. sozialen Lebens. 251 
brachte. Aber bedeutete diese Zeit nicht überhaupt Frieden auch 
im eigenen Lande? In Brandenburg vor allem räumten die 
Hohenzollern mit den Kriegsgelüsten des Adels auf. Da 
mußte man nun daheim stille sitzen und das Gewaffen an die 
Wand hängen, zumal neue Feuerwaffen und neues Fußvolk 
das alte Reiterhandwerk auch sonst zu stören drohten. Der 
Junker, einst Ritter, begann leise Viehhändler und Getreide⸗ 
produzent zu werden, legte sich in diesen Artikeln auf Gewinn, 
wollte verkaufen und ausführen und bedurfte mehr als bisher 
des Ackers. 
So blieb nichts übrig: die Dorfflur mußte mehr Herr⸗ 
schaftsland hergeben. Da wurde in einer ersten Entwicklungs⸗ 
—D gehörige Land ordentlich an⸗ 
einander genommen, abgerundet, zusammengelegt, ein etwaiges 
Vorwerk erweitert. Aber bald konnte sich der gnädige Herr, 
noch in dieser ersten Periode, nicht mehr darauf beschränken. 
Er griff die Bauernallmende an, wo er ihrer habhaft werden 
konnte, und als auch dies nicht mehr genügte, da warf er sich, 
seit Ende des 15. Jahrhunderts, zumal aber im 16. Jahr⸗ 
hundert, auf die Bauernlegung: vertrieb ganze Bauernfamilien 
und nahm ihr Land — nach seiner Auffassung ja eigentlich sein 
Land — an sich: denn immer mehr bedurfte er des Ackers. 
Wie aber sollte er diesen vergrößerten Acker nun mit seinen 
alten Werkzeugen und Tieren, mit seinen paar Leuten be⸗ 
stellen? Auch hier half ihm die Dorfherrnstellung hinweg 
über alle Skrupel und Schwierigkeiten. Freie Lohnarbeiter gab 
es nicht, selbst wenn er sie hätte mieten oder ansetzen wollen: 
so legte er den Bauern neue Fronden und Lasten auf, denn 
dazu war er als Dorfherr berechtigt, ja schränkte vielleicht so⸗ 
gar seine hergebrachte Knecht- und Viehhaltung ein und 
organisierte eine volle Fronbewirtschaftung seines Landes, das 
ihn nun wirtschaftlich immer mehr zu interessieren begann: 
wurde zu einem Krautjunker und Gutsherrn anstatt des Ritters 
und Grundherrn, der seine Väter gewesen waren. 
Es war eine Entwicklung, die in sich etwas Unersättliches 
hatte, vorausgesetzt, daß die Ausfuhrmöglichkeiten für Vieh und
	        
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