Full text : Fortschritt und Armut

Die  Gesetze  der  Verteilung.

Buch  III.

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per  Kopf,  und  die  Länder  mit  dichtester  Bevölkerung  sind,  unter  sonst
gleichen  Verhältnissen,  immer  die  reichsten  Länder.
Bis  hierher  haben  wir  nur  das  Rätsel  noch  mehr  verwirrt,  wir
haben  eine  Theorie  über  den  Pausen  geworfen,  die  bestehende  Tatsachen ­
  in  hergebrachter  weise  erklärte,  dadurch  aber  die  Tatsachen  anscheinend ­
  nur  noch  unerklärlicher  gemacht.  Ls  ist,  als  ob  zu  einer  Zeit,
wo  die  ptolemäische  Theorie  noch  in  Ansehen  stand,  bloß  bewiesen
worden  wäre,  daß  die  Sonne  und  die  Sterne  sich  nicht  um  die  Erde
drehen.  Der  Wechsel  von  Tag  und  Nacht  und  die  anscheinende  Bewegung
der  pimmelskörper  wären  dabei  noch  unerklärt  geblieben,  und  die  alte
Theorie  würde  daher  unfehlbar  wieder  in  ihre  Rechte  eingesetzt  worden
sein,  wofern  es  nicht  gelang,  eine  bessere  an  ihre  Stelle  zu  setzen.  Unsere
Erörterungen  haben  uns  zu  dem  Schlüsse  gesührt,  daß  jeder  produktive
Arbeiter  seinen  eigenen  Lohn  erzeugt,  und  daß  eine  Vermehrung  der
Arbeiterzahl  den  Lohn  jedes  einzelnen  erhöhen  müßte;  statt  dessen  gehen
die  augenscheinlichen  Tatsachen  dahin,  daß  viele  Arbeiter  keine  lohnende
Beschäftigung  finden  können,  und  daß  eine  Zunahme  der  Arbeiterzahl
eine  Verminderung  des  Lohnsatzes  mit  sich  bringt.  Kurz,  wir  haben
bewiesen,  daß  die  Löhne  da  am  höchsten  sein  müßten,  wo  sie  in  Wirklichkeit ­
  am  niedrigsten  sind.
Nichtsdestoweniger  sind  wir  doch  schon  etwas  vorgeschritten.  Um
zu  finden,  was  wir  suchen,  müssen  wir  zunächst  entdecken,  wo  zu  suchen
vergeblich  ist.  wir  haben  wenigstens  das  Feld  der  Forschung  beschränkt.
Denn  so  viel  ist  jetzt  wenigstens  klar,  daß  die  Ursache,  welche  jtrotz  der
enormen  Zunahme  produktiver  Kraft  die  große  Ulasse  der  Produzenten
aus  den  geringsten  Anteil  am  Produkt,  mit  dem  sich  leben  läßt,  reduziert,
nicht  die  Beschränktheit  des  Kapitals  oder  der  dem  Geheiß  der  Arbeit
folgenden  Naturkräste  ist.  Da  sie  also  nicht  in  den  die  Güterproduktion
begrenzenden  Gesetzen  zu  finden  ist,  so  muß  sie  in  den,  die  Verteilung
regierenden  Gesetzen  gesucht  werden.  Dahin  wollen  wir  uns  jetzt  wenden.
Ls  wird  nötig  sein,  das  ganze  Thema  der  Güterverteilung  in
seinen  Pauptzweigen  durchzugehen.  Um  die  Ursache  zu  entdecken,
welche  bei  zunehmender  Bevölkerung  und  fortschreitender  Entwicklung ­
  der  produktiven  Gewerbe  die  Armut  der  untersten  Klasse  vertieft, ­
  müssen  wir  das  Gesetz  auffinden,  welches  darüber  entscheidet,
welcher  Teil  des  Produkts  der  Arbeit  als  Lohn  zuteil  wird.  Um  das
Lohngesetz  zu  finden,  oder  wenigstens  um  zu  wissen,  wann  wir  es  gefunden ­
  haben,  müssen  wir  ferner  die  Gesetze  feststellen,  die  den  dem
Kapital  und  den  den  Grundbesitzern  anheimfallenden  Anteil  bestimmen;
denn  da  der  Grund  und  Boden,  die  Arbeit  und  das  Kapital  sich  in  die
Güterproduktion  teilen,  so  kann  das  Produkt  nur  unter  diesen  Dreien
verteilt  werden.
Unter  dem  Produkt  oder  der  Produktion  eines  Landes  ist  die
Summe  der  von  dessen  Bewohnern  produzierten  Güter  zu  verstehen  —•
öer  allgemeine  Fonds,  aus  dem  (so  lange  früher  vorhandene  Vorräte
            
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