Die Gesetze der Verteilung.
*56
Buch III.
t
den Kohlen gebundene Sonnenhitze im Hochofen wieder frei wird.
Die Verwendung von Kapital in der Produktion ist deshalb nur eine
Form der Arbeit. Wie das Kapital nur durch Verbrauch benutzt werden
kann, so ist dessen Benutzung ein Aufwand von Arbeit, und unr intakt
erhalten zu werden, muß das Kapital durch die Arbeit in gleichem Um
fang hervorgebracht als bei Unterstützung der Arbeit verbraucht werden.
Daher bewirkt auch das Prinzip, welches bei freier Konkurrenz den
Lohn auf ein gemeinsames Niveau bringt und den Gewinn im wesent
lichen gleichmäßig gestaltet —das Prinzip, daß die Menschen ihre wünsche
mit der wenigsten Anstrengung zu befriedigen suchen werden —- dieses
Prinzip bewirkt auch, daß das Gleichgewicht zwischen Lohn und Zins
hergestellt und erhalten wird.
Diese natürliche Beziehung zwischen Zins und Lohn — dies Gleich
gewicht, bei welchem beide für gleiche Anstrengungen gleiche Erträge
darstellen werden — kann in einer Form dargelegt werden, die eine
Gegensätzlichkeit andeutet, doch ist diese Gegensätzlichkeit nur eine schein
bare. Bei einer Teilhaberschaft zwischen Richard und Heinrich ist in
der Angabe, daß Richard einen gewissen Teil des Gewinns erhält, zu
gleich mit ausgesprochen, daß der Anteil Heinrichs kleiner oder größer
ist, je größer oder kleiner der Richards ist; wo aber, wie in unserem Falle,
jeder nur das erhält, was er dem gemeinschaftlichen Fonds hinzufügt,
da verringert die Zunahme des Anteils des einen nicht das, was der
andere erhält.
Ist diese Beziehung festgestellt, so ist es klar, daß Zins und Lohn
zusammen steigen und fallen müssen, und daß ersterer nicht steigen kann,
ohne daß auch letzterer steigt, noch daß der Lohn sinken kann, ohne auch
den Zins herabzudrücken. Denn wenn der Lohn sinkt, muß auch der
Zins im Verhältnis sinken, sonst wird es vorteilhafter, Arbeit in Kapital
> umzuwandeln als sie direkt aufzuwenden, während, wenn der Zins
sinkt, der Lohn ebenfalls entsprechend sinken muß, da sonst die Vermeh
rung des Kapitals verhindert werden würde.
Wir sprechen natürlich nicht von besonderen Löhnen und besonderen
Zinsen, sondern von den allgemeinen Lohnsätzen und dem allgemeinen
Zinsfuß, und verstehen unter Zinsen immer den Ertrag, welchen das
Kapital abzüglich Versicherung und Unternehmerlohn erzielen kann.
Zn einem besonderen Falle oder in einer besonderen Verwendung kann
die Tendenz des Lohnes und Zinses nach einem Gleichgewicht gehindert
werden, aber zwischen dem allgemeinen Lohnsatz und dem allgemeinen
Hinssuß muß sie ohne Verzug wirken. Denn obschon in einem besonderen
Produktionszweige die Linie zwischen denen, welche die Arbeit, und
denen, welche das Kapital liefern, scharf gezogen sein mag, so gehen
doch selbst in den Ländern, wo der schärfste Unterschied zwischen Arbeitern
und Kapitalisten besteht, diese beiden Klassen durch kaum bemerkbare
Abstufungen ineinander über, und am äußersten Rande, wo die beiden
Klassen sich in denselben Personen vereinigen, kann die Wechselwirkung,