Die Gesetze der Verteilung.
Buch III.
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und unsicher sind, gehören ebenfalls zu dieser Klasse; während Unter
schiede, die aus der Härte, dem Schimpfe oder der Ungesundheit eines
Berufes entstehen, Gpfer involvieren, deren bessere Entschädigung nur
das Niveau des gleichen Ertrages für gleiche Bemühungen erhält.
Alle diese Unterschiede sind tatsächlich Ausgleichungen, die aus Um
ständen entstehen, welche, um Adam Smiths Worte zu gebrauchen,
„den kleinen Erwerb einiger Beschäftigungen kompensieren und dem
großen Erwerb in anderen die wage halten". Außer diesen bloß schein
baren Unterschieden gibt es aber auch unter den verschiedenen Be
schäftigungen wirkliche Lohnunterschiede, welche durch die größere oder
geringere Seltenheit der erforderlichen Eigenschaften verursacht werden —
größere Fähigkeiten, höhere Geschicklichkeit, ob natürliche oder erworbene,
erzielen im Durchschnitt höheren Lohn. Diese Eigenschaften nun, ob
natürliche oder erworbene, sind wesentlich übereinstimmend mit den
Unterschieden in der Kraft und Gewandtheit der Landarbeit, und wie in
letzterer der einem leistungsfähigen Manne bewilligte höhere Lohn auf
dem für die Durchschnittsleistung bezahlten Lohnsatz beruht, so muß
der Lohn bei Beschäftigungen, die höhere Fähigkeiten und Geschicklich
keiten erfordern, von dem für gewöhnliche Fähigkeiten und Geschick
lichkeiten bezahlten Lohn abhängen.
Ls ist in der Tat sowohl erfahrungsmäßig, wie theoretisch klar,
daß, welche Umstände auch die Lohnunterschiede in verschiedenen Be
schäftigungen zuwege bringen mögen, und obgleich dieselben im Ver
hältnis zueinander häufig variieren und zeitlich und örtlich größere
oder geringere relative Unterschiede hervorbringen, dennoch der Lohn
satz in einer Branche immer von dem in einer anderen abhängig ist,
und so fort bis die niedrigste und breiteste Schicht des Lohnes in den
jenigen Beschäftigungen erreicht ist, wo die Nachfrage fast immer gleich
ist, und denen man sich am leichtesten zuwenden kann.
Denn obgleich mehr oder minder schwer zu übersteigende Schranken
bestehen, ist doch die Arbeitssumme, die einem besonderen Berufe zu
gewendet werden kann, nirgends eine absolut bestimmte. Alle Hand
werker könnten als Tagelöhner arbeiten und viele Arbeiter leicht Hand
werker werden; alle Lageristen könnten als Verkäufer fungieren und
viele Detaillisten leicht sich auf Lägern einarbeiten; viele Landleute
würden erforderlichenfalls Jäger oder Bergwerksarbeiter, Fischer oder
Seeleute werden, und viele Jäger, Bergleute, Fischer und Seeleute
wissen genug vom Feldbau, um Hand mit anzulegen, wenn es nötig
sein sollte. In jedem Berufe sind Leute, die denselben mit einem anderen
verbinden oder die mit mehreren Berufszweigen wechseln, während
die jungen Leute, welche beständig die Reihen der Arbeit ausfüllen,
in die Richtung des stärksten Reizes und des geringsten Widerstandes
gezogen werden. Noch mehr, alle Lohnabstufungen laufen durch un
bemerkbare Schattierungen ineinander über, ohne durch klar definierte
Abstände getrennt zu sein. Die Löhne selbst der schlechter bezahlten