Full text : Fortschritt und Armut

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Materieller  Fortschritt  und  Verteilung.

Buch  IV.

des  Klimas,  der  geognostischen  Beschaffenheit  oder  natürlichen  Lage  und
die,  wie  sie,  mit  dem  Besitze  des  Landes  übergehen.
Eine  Verbesserung  in  der  Kulturmethode,  die  bei  gleichen  Auslagen ­
  jährlich  zwei  Ernten  anstatt  einer  ergibt,  oder  eine  das  Arbeitsergebnis ­
  verdoppelnde  Verbesserung  in  den  Werkzeugen  und  Maschinen ­
  werden  offenbar  bei  einem  bestimmten  Grundstück  dieselbe
Wirkung  auf  den  Ertrag  haben,  wie  eine  Verdoppelung  der  Fruchtbarkeit ­
  des  Bodens.  Der  Unterschied  aber  liegt  darin,  daß  die  Verbesserung
der  Methode  oder  der  Werkzeuge  bei  jedem  Boden  ausgenutzt  werden
kann,  die  erhöhte  Fruchtbarkeit  aber  nur  bei  dem  bestimmten,  damit
gesegneten  Lande.  Die  aus  zunehmender  Bevölkerung  entstehende
größere  Produktivität  der  Arbeit  kann  dagegen  meist  nur  auf  dem  bestimmten ­
  Lande,  dort  aber  in  außerordentlich  verschiedenem  Grade
ausgenutzt  werden.
Stellen  wir  uns  hier  eine  unbegrenzte  Steppe  vor,  die  durch
die  ununterbrochene  Gleichmäßigkeit  der  Vegetation  den  Reisenden
ermüdet.  Da  kommt  das  Fuhrwerk  des  ersten  Einwanderers.  Er  weiß
nicht,  wo  er  sich  niederlassen  soll  —  ein  Morgen  scheint  so  gut  wie  jeder
andere.  Lsolzbestand,  Wasser,  Fruchtbarkeit,  Lage  schließen  jede  Wahl
aus,  und  er  wird  durch  den  sinbarras  äs  ricbssss  ganz  verwirrt.  Endlich
hält  er,  müde  des  Suchens  nach  einem  Platze,  der  besser  wäre  als  ein
anderer,  an  einem  beliebigen  Platze  an  und  beginnt  sich  ein  bfeim  zu
gründen.  Der  Boden  ist  jungfräulich  und  reich,  Wild  im  Überflüsse
vorhanden,  die  Bäche  voll  der  schönsten  Forellen.  Die  Natur  ist  in  wahrem
Festgewande.  Er  hat  alles,  was  ihn  reich  machen  würde,  wenn  er  in
einer  volkreichen  Gegend  wäre;  dennoch  ist  er  sehr  arm.  Um  nichts  von
dem  geistigen  verlangen  zu  sagen,  das  ihn  den  ersten  Besten  mit  offenen
Armen  empfangen  lassen  würde,  so  befindet  er  sich  unter  allen  den
materiellen  Nachteilen  der  Einsamkeit.  Er  kann  für  keine  Arbeit,  die  eine
größere  Kraftvereinigung  erfordert,  eine  andere  temporäre  Hilfe  finden,
als  die  seiner  Familie  oder  von  Gehilfen,  die  er  permanent  halten  muß.
Obgleich  er  Vieh  hat,  kann  er  nicht  oft  frisches  Fleisch  haben.  Denn
um  ein  Beefsteak  zu  erhalten,  muß  er  einen  jungen  Ochsen  schlachten.
Er  muß  sein  eigener  Schmied,  Wagner,  Zimmermann  und  Schuster
sein,  kurz,  überall  und  nirgends,  mit  allem  vertraut  und  bewandert
sein  und  vor  nichts  zurückschrecken.  Er  kann  seinen  Kindern  keinen  Schulunterricht ­
  verschaffen,  denn  dazu  müßte  er  einen  eigenen  Lehrer  halten
und  bezahlen.  Alles,  was  er  nicht  selbst  hervorbringen  kann,  muß  er  in
Ouantitäten  kaufen  und  auf  Vorrat  halten,  wenn  er  es  nicht  entbehren
will,  denn  er  kann  nicht  immer  seine  Arbeit  verlassen  und  eine  lange
Reise  bis  zur  äußersten  Grenze  der  Zivilisation  machen,  und  muß  er  es,
so  mag  ihm  das  Holen  eines  Fläschchens  Arznei  oder  der  Ersatz  eines
zerbrochenen  Bohrers  seine  und  seiner  Pferde  Arbeit  für  Tage  kosten.
Obgleich  die  Natur  verschwenderisch  ist,  ist  der  Mensch  unter  solchen
Verhältnissen  arm.  Es  ist  ein  leichtes  für  ihn,  genug  zum  Essen  zu  er ­
            
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