Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  I.

Die  Grundursache  der  immer  wiederkehrenden  Krisen.

203

übergroßes  Lager  auf  dem  palse  ließ  und  ihn  zwang,  feine  Leute  zu
entlassen,  mußte  auf  gleiche  Weise  entstehen.  Irgendwo,  vielleicht
am  anderen  Ende  der  Welt,  hat  eine  Hemmung  der  Produktion  eine
Störung  in  der  Nachfrage  der  Konsumenten  bewirkt.  Daß  die  Nachfrage
sich  vermindert,  ohne  daß  der  Mangel  befriedigt  wird,  zeigt,  daß  die
Produktion  irgendwo  gehemmt  ist.
Die  Leute  brauchen  die  Artikel,  welche  der  Fabrikant  macht,  so
nötig  wie  je,  gerade  wie  die  Arbeiter  die  Dinge  brauchen,  welche  der
Händler  zu  verkaufen  hat.  Aber  sie  haben  nicht  mehr  soviel  dafür  zu
geben.  Die  Produktion  ist  irgendwo  gehemmt  worden,  und  diese  Einschränkung ­
  im  Angebot  einiger  Dinge  hat  sich  im  Aufhören  der  Nachfrage
nach  anderen  gezeigt,  da  sich  die  Hemmung  über  den  ganzen  Rahmen
der  Industrie  und  des  Austausches  ausbreitet.  Nun  ruht  die  industrielle
Pyramide  unstreitig  aus  dem  Grund  und  Boden.  Die  ersten  und  ursprünglichen ­
  Beschäftigungen,  welche  eine  Nachfrage  nach  allen  anderen
erzeugen,  sind  augenscheinlich  diejenigen,  welche  der  Natur  Güter  abgewinnen, ­
  und  wir  müssen,  wenn  wir  dieser  pemmung,  die  sich  in  verminderter ­
  Kaufkraft  äußert,  von  einem  Austauschpunkte  zum  anderen,
und  von  einer  Beschäftigung  zur  anderen  nachspüren,  sie  schließlich  in
irgendeinem  Hindernis  finden,  das  die  Arbeit  abhält,  sich  auf  den
Grund  und  Boden  zu  richten.  Und  dieses  Hindernis  ist  klärlich  die
spekulative  Erhöhung  der  Rente  oder  des  Landwertes,  welche  dieselben
Wirkungen  verursacht  wie  eine  Aussperrung  der  Arbeit  und  des  Kapitals
seitens  der  Landbesitzer  (was  sie  auch  tatsächlich  ist).  Diese  Hemmung
der  Produktion,  an  der  Grundlage  des  vielverzweigten  Gewerbfleißes
beginnend,  pflanzt  sich  von  Austauschpunkt  zu  Austauschpunkt  fort,
und  das  Aufhören  des  Angebotes  wird  zur  Einstellung  der  Nachfrage,
bis  die  ganze  Maschine,  sozusagen,  aus  Rand  und  Band  geht  und
allenthalben  das  Schauspiel  vergeudeter  Arbeitskraft  und  notleidender
Arbeiter  gewährt.
Dieses  sonderbare  und  unnatürliche  Schauspiel  großer  Mengen
arbeitswilliger  Leute,  die  keine  Beschäftigung  finden  können,  ist  genügend,
um  jedem,  der  folgerecht  zu  denken  vermag,  die  wahre  Ursache  kund  zu
tun.  Denn,  obgleich  die  Gewohnheit  uns  dagegen  abgestumpft  hat,
so  ist  es  eine  sonderbare  und  unnatürliche  Sache,  daß  Menschen,  die  zu
arbeiten  wünschen,  um  ihre  Bedürfnisse  zu  befriedigen,  keine  Gelegenheit
dazu  finden  können  —,  da  jemand,  der  Arbeit  für  Nahrung,  Kleidung
oder  jede  andere  Form  von  Gütern  auszutauschen  sucht,  sintemal  die
Arbeit  Güter  erzeugt,  einem  Manne  gleicht,  der  Münze  für  Gold  oder
Weizen  für  Mehl  zu  geben  sich  erbietet.  Wir  sprechen  von  dem  Angebot
der  Arbeit  und  der  Nachfrage  nach  Arbeit,  aber  offenbar  sind  dies  nur
relative  Ausdrücke.  Das  Angebot  der  Arbeit  ist  allenthalben  dasselbe  —
Zwei  Hände  kommen  stets  mit  einem  Munde  auf  die  Welt,  einundzwanzig
Anaben  auf  je  zwanzig  Mädchen,  und  die  Nachfrage  nach  Arbeit  muß
stets  bestehen,  solange  Menschen  Dinge  brauchen,  welche  die  Arbeit
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.