Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

Ober  die  Wirkung  auf  die  Verteilung  und  Produktion.

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so  oft  gewahr  wird,  und  die  trotz  aller  Gründe  so  viele  Leute  dieselben
als  ein  Übel,  anstatt  als  einen  Segen  betrachten  lassen,  würden  dann
verschwinden.  Jede  neue,  iin  Dienste  des  Menschen  verwendete  Kraft
würde  die  Lage  aller  verbessern.  Und  aus  der,  dieser  allgemeinen  Verbesserung ­
  der  Lage  entspringenden  höheren  Intelligenz  und  geistigen
Tätigkeit  würden  neue  Entwicklungen  von  Kräften  hervorgehen,  von
denen  wir  uns  jetzt  nichts  träumen  lassen.
Allein  ich  will  nicht  leugnen  und  wünsche  die  Tatsache  nicht  aus  dem
Gesichte  zu  verlieren,  daß,  während  die  ausgeglichene  Güterverteilung,
die  sich  aus  dem  von  mir  vorgeschlagenen  einfachen  Plane  ergeben,
und  welche  Vergeudung  verhindern  und  die  Leistungen  der  Arbeit
erhöhen  müßte,  andererseits  die  Jagd  nach  Reichtum  mäßigen  würde.
Ts  scheint  mir,  daß  in  einem  Gesellschastszustande,  wo  niemand  Armut
Zu  fürchten  hat,  niemand  großen  Reichtum  wünschen  oder  wenigstens
niemand  so  danach  jagen  würde  wie  jetzt.  Denn  sicherlich  ist  das  Schauspiel, ­
  daß  die  Menschen  in  den  wenigen  Jahren,  die  sie  zu  leben  haben,
sich  zum  Sklaven  machen,  um  reich  zu  sterben,  an  sich  so  unnatürlich  und
ungereimt,  daß  in  einem  Gesellschaftszustande,  wo  die  beseitigte  Furcht
vor  dem  Mangel  die  neidische  Bewunderung,  mit  der  die  große  Menge
jetzt  den  Besitz  großer  Reichtümer  ansieht,  zerstreut  hat,  derjenige,  der
uiehr  zu  erwerben  trachtete,  als  er  zu  brauchen  denkt,  mit  ähnlichen
^iugen  angesehen  werden  würde,  wie  wir  heutzutage  einen  Mann  anjehen,
  der  aus  seinen  Kopf  ein  halbes  Dutzend  püte  auftürmt  oder  in
^er  heißen  Sonne  mit  einem  Überzieher  umhergeht.  Ist  jeder  sicher,
Senug  erhalten  zu  können,  so  wird  niemand  einen  Packesel  aus  sich
wachen.
Wenn  aber  dieser  Antrieb  zur  Produktion  in  Wegfall  käme,  können
wir  nicht  ohne  ihn  fertig  werden?  welche  Dienste  er  auch  in  den  früheren
Stadien  der  Entwicklung  geleistet  haben  mag,  heute  brauchen  wir  sie
^icht  fürder.  Die  unserer  Zivilisation  drohenden  Gefahren  rühren  nicht
^on  der  Dürftigkeit  der  Tuellen  der  Produktion  her.  Woran  sie  leidet
^ud  woran  sie,  falls  kein  Peilmittel  angewendet  wird,  zugrunde  gehen
^uß,  ist  die  ungleiche  Verteilung!
Auch  würde  die  Beseitigung  dieses  Antriebes,  bloß  vom  Standpunkte ­
  der  Produktion  aus  betrachtet,  kein  ungemischter  Verlust  sein,
^enn  daß  die  Gesamtproduktion  durch  die  pabsucht,  mit  der  man  dem
^lchium  nachjagt,  beeinträchtigt  wird,  ist  eine  der  unabweisbarsten
Tatsachen  der  modernen  Gesellschaft.  Wäre  dies  unsinnige  Verlangen,
jeden  preis  reich  zu  werden,  geringer,  so  würden  geistige  Tätigkeiten,
te ,  Ktzt  dem  Zusammenscharren  von  Reichtümern  gewidmet  sind,  in
^eit  höhere  Sphären  der  Nutzbarkeit  übertragen  werden.
            
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