Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  I.  Die  herrschende  Theorie  des  menschlichen  Fortschrittes.  ZHZ

die  Verbindung  Zwischen  Fragen  sein  rnöge,  die  sich  auf  den  Menschen,
wie  wir  ihn  kennen,  und  selchen,  die  sich  auf  seine  Entstehung  beziehen,
so  kann  doch  nur  von  den  ersteren  auf  die  letzteren  Licht  geworfen  werden.
Schlüsse  kann  man  nicht  vom  Unbekannten  auf  das  Bekannte  ziehen.
Nur  aus  Tatsachen,  die  wir  kennen,  vermögen  wir  Schlüsse  auf  das
unserer  Kenntnis  Vorausgehende  zu  ziehen.
wie  der  Mensch  auch  entstanden  sein  möge.  Alles,  was  wir  von
ihm  wissen,  bezieht  sich  auf  den  Menschen,  wie  er  jetzt  zu  finden  ist.
Keine  Überlieferung  oder  Spur  besteht  von  ihm  aus  einem  niedrigeren
Zustande  als  dem,  in  welchem  wilde  noch  heute  zu  finden  sind.  Auf
welcher  Brücke  er  die  weite  Kluft  überschritten  haben  möge,  die  ihn  jetzt
von  den  Tieren  trennt,  keine  Spuren  sind  mehr  davon  vorhanden.
Zwischen  den  uns  bekannten  niedrigsten  Wilden  und  den  höchsten  Tieren
besteht  ein  unversöhnlicher  Unterschied,  ein  Unterschied,  nicht  bloß  des
Grades,  sondern  der  Art.  viele  der  charakteristischen  Eigenschaften,  der
Handlungen  und  Gefühle  des  Menschen  zeigen  sich  auch  bei  den  niedrigeren ­
  Geschöpfen;  aber  der  Mensch,  wie  tief  er  auch  auf  der  Stufenleiter ­
  der  Menschheit  stehe,  war  nie  einer  Eigenschaft  bar,  von  der  kein
Tier  die  kleinste  Spur  aufweist,  eines  klar  erkennbaren  aber  fast  undefinierbaren ­
  Etwas,  das  ihm  die  Vervollkommnungsfähigkeit  verleiht,  ihn  zu
dem  fortschreitenden  Tiere  macht.
Der  Biber  baut  einen  Damm,  der  Vogel  ein  Nest  und  die  Biene
eine  Zelle;  aber  während  Biberdämme,  Vogelnester  und  Bienenzellen
immer  nach  demselben  Muster  konstruiert  sind,  geht  die  Wohnung  des
Menschen  von  der  bsütte  aus  Blättern  und  Zweigen  hinauf  bis  zu  den
Prächtigen,  mit  allen  modernen  Bequemlichkeiten  ausgestatteten  Palästen.
Der  pund  kann  bis  zu  einem  gewissen  Grade  Ursache  und  Wirkung
verknüpfen,  und  man  kann  ihm  einige  Kunststücke  lehren;  aber  seine
Begabung  in  dieser  Beziehung  hat  während  aller  der  Zeitalter,  die  er
der  Gefährte  des  fortschreitenden  Menschen  ist,  um  keine  Spur  zugenommen, ­
  und  der  Hund  der  Zivilisation  ist  keinen  Deut  gescheiter
oder  vervollkommneter  als  der  Hund  des  wandernden  wilden,  wir
kennen  kein  Tier,  das  Kleider  trüge,  sein  Essen  kochte,  sich  Werkzeuge
oder  Waffen  machte,  andere  Tiere  züchtete,  die  es  zur  Nahrung  ausersehen, ­
  oder  eine  artikulierte  Sprache  hätte.  Menschen  aber,  die  alles
dies  nicht  täten,  hat  man  nie  gefunden  noch  davon  gehört,  außer
in  der  Fabel.  Das  heißt:  der  Mensch  zeigt  überall,  wo  wir  ihn
antreffen,  die  Gabe,  das,  was  die  Natur  für  ihn  getan  hat,  durch  das,
was  er  für  sich  selbst  tut,  zu  ergänzen;  und  so  untergeordnet  ist  in  der
^at  die  natürliche  Ausstattung  des  Menschen,  daß  es  keinen  Teil  der
^rde  gibt,  außer  vielleicht  einige  der  kleinen  Znseln  des  Stillen  Gzeans,
wo  er  ohne  diese  Fähigkeit  sein  Dasein  zu  fristen  imstande  wäre.
Allenthalben  und  zu  allen  Zeiten  zeigt  der  Mensch  dies  vermögen,
allenthalben  und  zu  allen  Zeiten  hat  er,  soweit  unsere  Kenntnis  reicht,
Gebrauch  davon  gemacht.  Aber  der  Grad,  in  welchem  dies  geschehen,
            
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