Schluß.
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niemand mehr als die, welche zu sehen begonnen haben, wie groß das
Weltall ist, und wie unendlich die Fernblicke sind, welche jeder Fortschritt
im wissen uns eröffnet, Fernblicke, welche zu erforschen nichts Geringeres
als die Ewigkeit erfordern würde. Aher in der geistigen Atmosphäre
unserer Zeit scheint es für die große Mehrheit der Menschen, auf die
der bloße Glaube jeden Einfluß verloren hat, unmöglich, in diesem Sehnen
etwas anderes als eine kindische, eitle, aus des Menschen Selbstliebe
entspringende Hoffnung zu sehen, für die nicht der geringste Grund,
nicht das geringste Zeugnis vorhanden ist, sondern welche im Gegenteil
mit dem positiven wissen unvereinbar scheint.
Allein, wenn wir die Vorstellungen, welche so die Hoffnung auf
ein künftiges Leben vernichten, zerlegen und ihnen nachspüren, so
werden wir, glaube ich, ihre Ouelle nicht in den Offenbarungen der
Naturwissenschaft, sondern vielmehr in gewissen Lehren der politischen
und sozialen Wissenschaft finden, welche das Denken in allen Richtungen
tief durchdrungen haben. Sie haben ihre Wurzel in den Lehren, daß
eine Tendenz bestehe, mehr menschliche Wesen hervorzubringen, als für
die gesorgt werden kann; daß Laster und Elend die Resultate von Natur
gesetzen, sowie die Mittel seien, durch welche die Entwicklung vor sich
gehe, und daß der menschliche Fortschritt durch eine langsame Rassen
veredelung bewirkt werde. Diese für anerkannte Wahrheiten geltenden
Lehren tun, was (abgesehen von den durch sie gefärbten wissenschaftlichen
Darlegungen) die Ausschreitungen der Naturwissenschaft nicht tun —
sie erniedrigen das Individuum zur Unbedeutsamkeit; sie zerstören den
Gedanken, daß in der Ordnung des Weltalls irgendeine Rücksicht auf sein
Dasein genommen oder dasjenige, was wir moralische Eigenschaften
nennen, anerkannt sein könnte.
Ls ist schwer, den Gedanken menschlicher Unsterblichkeit mit dem
Gedanken zu vereinbaren, daß die Natur beständig Menschenleben ver
geude und sie in ein Dasein rufe, wo kein Platz für sie ist. Es ist unmöglich,
mit der Vorstellung eines allweisen und allgütigen Schöpfers den Glauben
zu vereinbaren, daß das Elend und die Erniedrigung, welche das Los
eines so großen Teils des Menschengeschlechts sind, die Folge seiner
Anordnungen seien; während der Gedanke, daß der Mensch geistig
und körperlich das Ergebnis langsamer, durch Erblichkeit fortgepflanzter
Modifikationen sei, unwiderstehlich die Idee eingibt, daß das Rassenleben,
nicht das individuelle, das Ziel des menschlichen Daseins sei. So schwand
bei vielen von uns und schwindet noch immer mehr und mehr jener
Glaube, der in den Kämpfen und Widerwärtigkeiten des Lebens den
stärksten und tiefsten Trost gewährt.
Nun, wir haben in unserer Untersuchung diese Lehren bekämpft
und ihre Irrtümer gesehen, wir haben gesehen, daß die Bevölkerung
nicht die Tendenz hat, über ihren Unterhalt hinauszugehen; daß die
Vergeudung menschlicher Kräfte und das Übermaß menschlichen Leidens
nicht Naturgesetzen, sondern der Unwissenheit und Selbstsucht der Menschen