Full text : Fortschritt und Armut

Arbeitslohn  und  Kapital.  Buch  I.

Bei  etwas  Sorgfalt  hinsichtlich  dieser  Punkte  dürfte  es  nicht  schwer
sein,  einen  hinreichend  klaren  und  bestimmten  Begriff  davon  zu-gewinnen, ­
  was  der  Ausdruck  Kapital,  wie  er  gewöhnlich  gebraucht  wird,
eigentlich  umfaßt,  einen  Begriff,  wie  er  uns  in  den  Stand  fetzt,  zu
sagen,  welche  Dinge  Kapital  sind  und  welche  nicht,  um  das  Wort  ohne
Zweideutigkeit  oder  Fehltritt  zu  gebrauchen.
Grund  und  Boden,  Arbeit  und  Kapital  find  die  drei  Faktoren  der
Produktion.  Wenn  wir  uns  erinnern,  daß  Kapital  sonach  ein  Ausdruck
ist,  der  im  Gegensatze  zum  Grund  und  Boden  und  zur  Arbeit  gebraucht
wird,  so  sehen  wir  sofort,  daß  nichts,  was  unter  eine  der  letzteren  beiden
Bezeichnungen  gehört,  unter  das  Kapital  klassifiziert  werden  kann.  Der
Ausdruck  Grund  und  Boden  umfaßt  notwendig  nicht  bloß  die  Oberfläche ­
  der  Erde,  im  Unterschied  von  Luft  und  Wasser,  sondern  die  ganze
materielle  Schöpfung  mit  Ausnahme  des  Menschen  selbst,  denn  nur
dadurch,  daß  er  Zugang  zum  Grund  und  Boden  hat,  aus  dem  selbst
sein  Körper  hervorgegangen  ist,  kann  der  Mensch  in  Berührung  mit
der  Natur  kommen  und  sie  benutzen.  Kurz,  der  Ausdruck  Grund  und
Boden  umfaßt  alle  natürlichen  Stoffe,  Kräfte  und  Vorteile,  und
deshalb  kann  nichts,  was  von  der  Natur  frei  geliefert  wird,  zum  Kapital
gerechnet  werden.  Lin  fruchtbares  Feld,  eine  reiche  Lrzmine,  ein  fallender
Strom  mit  starker  Wasserkraft  mögen  dem  Besitzer  gleichwertige  Vorteile ­
  verleihen  wie  der  Besitz  von  Kapital,  aber  solche  Dinge  als  Kapital
zu  bezeichnen,  hieße  der  Unterscheidung  zwischen  Grund  und  Boden
und  Kapital  ein  Ende  machen  und,  soweit  sie  sich  aufeinander  beziehen,
den  beiden  Ausdrücken  ihren  Sinn  nehmen.  Der  Ausdruck  Arbeit
schließt  in  gleicher  weise  alle  menschliche  Anstrengung  ein,  und  somit
können  menschliche  Kräfte,  ob  natürliche  oder  erworbene,  nie  demKapital
zugerechnet  werden.  )m  gewöhnlichen  Leben  sprechen  wir  zwar  oft
von  jemandes  Kenntnissen,  Geschicklichkeit  und  Fleiß  als  von  seinem
Kapital,  doch  ist  dies  augenscheinlich  nur  ein  bildlicher  Ausdruck,  den
man  bei  einer  auf  Genauigkeit  Anspruch  erhebenden  Erörterung  vermeiden ­
  muß.  Überlegenheit  in  solchen  Eigenschaften  mag  das  Einkommen ­
  des  einzelnen  gerade  so  vergrößern,  wie  das  Kapital  es  tun
würde,  und  eine  Zunahme  der  Kenntnisse,  der  Geschicklichkeit  oder
des  Fleißes  in  einem  Gemeinwesen  mag  auf  die  Vermehrung  seiner
Produktion  dieselbe  Wirkung  wie  eine  Kapitalzunahme  haben;  aber
diese  Wirkung  rührt  von  der  vermehrten  Macht  der  Arbeit  her,  und
nicht  vom  Kapital,  vergrößerte  Schnelligkeit  mag  dem  Anprall  einer
Kanonenkugel  denselben  Effekt  verleihen  wie  vergrößertes  Gewicht,
aber  nichtsdestoweniger  find  Gewicht  und  Schnelligkeit  verschiedene
Dinge.
Somit  müssen  wir  aus  der  Kategorie  des  Kapitals  alles  ausschließen,
was  entweder  unter  Grund  und  Boden  oder  unter  Arbeit  eingeschlossen
werden  kann.  Dies  getan,  bleiben  nur  Dinge  übrig,  welche  weder  Land
noch  Arbeit  sind,  welche  aber  aus  der  Vereinigung  dieser  beiden  Original-
            
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