Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  V

Die  wahren  Funktionen  des  Kapitals.

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Verwendung  vorangeeilt,  und  jede  Aussicht  auf  lohnende  Anlage
bringt  mehr  als  das  erforderliche  Kapital  zum  Vorschein.  Der  Eimer
ist  nicht  bloß  voll,  sondern  überfließend.  So  augenscheinlich  ist  dies,
daß  nicht  nur  unter  den  Unwissenden,  sondern  unter  Leuten  von  hohem
nationalökonomischem  Ruf  die  industriellen  Krisen  dem  Überfluß  von
Maschinen  und  der  Anhäufung  von  Kapital  zugeschrieben  werden;
und  vom  Kriege,  der  der  Vernichter  des  Kapitals  ist,  erwartet  man
lebhaften  Handel  und  hohen  Lohn  —-  eine  Auffassung,  die,  merkwürdig
genug  (so  groß  ist  die  Gedankenverwirrung  über  diese  Sachen),  von
vielen  geteilt  wird,  welche  behaupten,  daß  das  Kapital  die  Arbeiter
beschäftige  und  den  Lohn  zahle.
Unser  Zweck  in  dieser  Untersuchung  ist,  das  Problem  zu  lösen,
über  welches  so  viele  sich  selbst  widersprechende  Meinungen  im  Umlauf
sind.  Indem  wir  klar  feststellten,  was  das  Kapital  wirklich  ist  und  was
es  wirklich  tut,  haben  wir  den  ersten  und  grundlegenden  Schritt  dazu
getan.  Aber  es  ist  nur  ein  erster  Schritt,  wir  wollen  jetzt  rekapitulieren
und  dann  fortfahren.
wie  wir  gesehen  haben,  ist  die  herrschende  Theorie,  daß  der  Arbeitslohn ­
  von  dem  Verhältnis  zwischen  der  Arbeiterzahl  und  dem  der  Beschäftigung ­
  von  Arbeitern  gewidmeten  Kapitalbetrage  abhänge,  unverträglich ­
  mit  der  allgemein  zu  beobachtenden  Tatsache,  daß  der  Arbeitslohn ­
  und  der  Zinsfuß  nicht  im  umgekehrten  Verhältnis,  sondern  miteinander ­
  steigen  und  fallen.
Diese  Unverträglichkeit  veranlaßte  uns  zur  Untersuchung  der  Grundlagen ­
  der  Theorie,  und  wir  sahen  dabei  ferner,  daß,  entgegen  der  gewöhnlichen ­
  Annahme,  der  Lohn  überhaupt  nicht  dem  Kapital  entnommen
wird,  sondern  direkt  aus  dem  Ertrage  der  Arbeit  kommt,  für  die  er
gezahlt  wird,  wir  haben  gesehen,  daß  das  Kapital  nicht  den  Lohn
vorstreckt  oder  die  Arbeiter  unterhält,  sondern  daß  dessen  Funktionen
darin  bestehen,  die  Arbeit  bei  der  Produktion  mit  Werkzeugen,  Saatkorn ­
  usw.  und  mit  den  zur  Bewerkstelligung  der  Austausche  erforderlichen ­
  Gütern  zu  unterstützen.
wir  sind  dabei  zu  so  wichtigen  praktischen  Schlüssen  gelangt,  daß
die  darauf  verwendete  Mühe  völlig  gerechtfertigt  ist.
Denn  wenn  der  Lohn  nicht  aus  dem  Kapital,  sondern  aus  dem
Produkt  der  Arbeit  entnommen  wird,  so  sind  die  herrschenden  Theorien
über  die  Beziehungen  zwischen  Kapital  und  Arbeit  hinfällig,  und  alle
Heilmittel,  ob  sie  nun  von  Professoren  der  Nationalökonomie  oder  von
Arbeitern  vorgeschlagen  werden,  welche  die  Hebung  der  Armut  entweder
durch  die  Vermehrung  des  Kapitals  oder  durch  die  Beschränkung  der
Arbeiterzahl  oder  der  Arbeitsleistungen  erstreben,  müssen  verurteilt
werden.
Schafft  der  Arbeiter  durch  die  Verrichtung  der  Arbeit  wirklich  den
Fonds,  aus  dem  sein  Lohn  bestritten  wird,  dann  kann  der  Lohn  auch
nicht  durch  die  Vermehrung  der  Arbeiter  vermindert  werden,  sondern
            
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