Full text : Wirtschaft als Leben

Begleitwort.

IX

erübrigte  sich  der  Zusatz,  auf  welchem  besonderen  Gebiete  es  hier  dem
Denken  im  Dienst  der  Erkenntnis  zugemutet  wird,  besinnliche  Einkehr
zu  pflegen.  Dies  verrät  ja  schon  der  Name  der  ganzen  Sammlung,
indem  er  ein  Ergebnis  der  errungenen  Selbstbesonnenheit  im  Schlagwort ­
  vorwegnimmt:  Wirtschaft  als  Leben!  In  dieser  Wendung
malt  sich  die  Art,  wie  unsere  Wissenschaft  ihren  Gegenstand  auffassen
muß,  will  sie  treu  zu  ihrer  wahren  Eigenart  stehen.
Mit  Erkenntniskritik,  gegenüber  einem  Sondergebiet  der
Wissenschaft,  da  ist  es  offenkundig  eine  andere,  tiefere  Sache  als  mit
Methodologie  im  durchschnittlichen  Sinne:  Diese  ruht  nicht  auf
Selbstbesinnung,  mehr  nur  auf  Selbstbeobachtung  der  Wissenschaft  als
Tat.  Alle  Methodologie  schlägt  ja  in  bloße  Technik  ein,  hier  in  die
Technik  der  Forschung  und  Darstellung  im  Bereich  des  Sondergebietes.
Der  Methodologe  fragt  einfach:  wie  geht  die  Wissenschaft  vor,  um  zu
den  Ergebnissen  zu  gelangen,  die  mit  ihr  vorliegen  ?  Kritik  der  Erkenntnis ­
  aber  drängt  zu  der  tieferen  Frage:  wie  ist  jene  Eigenart  des
fachwissenschaftlichen  Erkennens  beschaffen,  die  über  den  Vorgang
beim  Erkennen  überhaupt  erst  entscheidet?  Methodologie  umfaßt
schlechthin  das  Wissen  um  die  Wissenschaft  als  Tat.  Erst  die  Erkenntniskritik ­
  aber  läutert  dieses  Wissen  und  führt  so  zur  Einsicht,
wie  die  Wissenschaft  als  Tat  sein  soll.  Methodologie  hingegen  lernt
nur  von  der  Wissenschaft  selber,  um  sie  über  ihr  eigenes  Vorgehen
zu  belehren;  eigentlich  sorgt  sie  bloß  dafür,  daß  Forschung  und  Darstellung ­
  die  Wege  immer  auch  richtig  einhalten,  die  sie  selber  gefunden
haben.  So  war  z.  B.  die  „idealtypische“  Begriffsbildung  schon  längst  in
Übung,  bis  sie  endlich  Max  Weber  überzeugend  als  den  charakteristischen
Weg  der  Darstellung  auf  unseren  Gebieten  vorwies,  Darstellung  in  jenem
Sinne  Heinrich  Rickerts  gemeint,  daß  sie  mit  der  Begriffsbildung  einig
geht.  Es  war  damit  eine  methodologische  Tat  von  hohem  Belang
vollbracht,  Erkenntniskritik  aber  weiß  hinterher  zu  zeigen,  warum  es
gerade  so  auch  sein  muß!  Wo  eben  schon  aus  der  Erfahrung  heraus
alles  von  Zusammenhang  strotzt,  wie  auf  unseren  Gebieten,  da  bewältigt
man  das  erfaßlich  Zusammenhängende,  das  sich  zu  einer  Einheit  fügt
—  wie  im  berühmten  Beispiel  der  „antiken“  usw.  Stadt  nur
durch  ein  einseitiges  Hervorkehren  jener  Zusammenhänge,  die  in  der
Beziehung  auf  die  entscheidende  Fragestellung  als  die  „wesentlichen“
erscheinen,  weil  gerade  sie  der  einschlägigen  Lösung  förderlich  sind.
Das  Spiel  dieser  Zusammenhänge,  die  nun  allein  die  Einheit  tragen,
erfährt  dabei  unvermeidlich  eine  geistige  Übersteigerung.  Trotzdem
ist  damit  der  Wirklichkeit  ebensowenig  Gewalt  angetan,  wie  etwa  durch
die  wenigen  und  markigen  Striche,  mit  der  die  Künstlerhand  ein
            
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