Internationale Rundschau der Arbeit
I. Krise der Rohstoffe.
1. Für die Frage der Rohstoffe muß unbedingt ganz klar
zwischen zwei Zeitabschnitten unterschieden werden, deren eine
die Kriegs- und Nachkriegszeit bis zur Mitte des Jahres 1920
erfaßt, während die andere mit dem letztgenannten Zeitpunkte
einsetzt.
2. Während des erstgenannten Zeitraumes hat die Mehrzahl
der Länder, meist sogar in recht schwerer Weise, unter einem
Rohstoffmangel gelitten.
3. Die Feststellung des Vorhandenseins einer Rohstoffkrise
in der erwähnten Zeit ist von größter Bedeutung für die Frage,
die die Erhebung gerade aufklären sollte, und die das Nachlassen
der Produktion während jenes Zeitraumes betrifft, besonders in
den Jahren 1919 und 1920, in dem das Vorhandensein dieser Krise
festgestellt wird. Sicherlich hat diese Krise in der allgemeinen
Produktionskrise eine Rolle allererster Ordnung gespielt.
4. In Bezug auf den zweitgenannten Zeitraum ist die Unter-
scheidung unter den Ländern selbst von erheblicher Bedeutung:
a) Kriegführende Länder Mittel- und Osteuropas. — In den
Ländern dieser Gruppe bestand die Rohstoffkrise zur Zeit der
Erhebung noch fort, wenn auch mit mehr oder minder großer
Heftigkeit. Sie ist auf nachfolgende Faktoren zurückzuführen:
In einigen Ländern Veränderung der Grenzen infolge der Friedens-
verträge. Dadurch gingen Gebiete verloren, die den Veredelungs-
industrien jener Länder früher die Rohstoffe lieferten. In anderen
Fällen entstanden Schwierigkeiten bei der Verwendung der an
sich vorhandenen Rohstoffe, weil die technische Ausrüstung
ungenügend oder, in schlechtem Zustande war, oder weil die
Transportgewerbe den Bedürfnissen nicht genügten; in anderen,
manchmal sogar in denselben Ländern, hatte der Krieg Zer-
störungen aller Art herbeigeführt; die technischen Einrichtungen
waren unzureichend, es traten Kapitalmangel, Betriebseinstellungen
Ungewißheit und andere Schwierigkeiten in den Handelsbeziehungen
zu den Nachbarstaaten ein und in allen Fällen die Gold- und
Währungskrise. Die Krise der Rohstoffe war unter den ver-
schiedensten Formen in ganz Mittel- und Osteuropa von der
Währungskrise beherrscht.
b) Kriegführende Länder Westeuropas. — In den Ländern
dieser Gruppe besteht die Rohstoffkrise während des zweit-
genannten. Zeitraumes nicht mehr, oder aber sie zeigt sich nur in
einigen ganz außergewöhnlichen Fällen. Allerdings sind einige
Klagen über hohe Preise etlicher Rohstoffe zu verzeichnen, aber
im Allgemeinen werden sie nicht als Hindernisse für die Pro-
duktion angeführt. Um diese neue Situation zu beleuchten,
sei auf drei besondere Tatsachen hingewiesen: Es handelt sich
hier nicht mehr um eine Transportkrise; die Handelsbeziehungen
der Länder dieser Gruppe mit den Nachbarstaaten sind völlig
wiederhergestellt, und im Gegensatze zu den Ländern Mittel-
und Osteuropas mit ihrer niedrigen Währung gehören sie zu den
Ländern mit einer mittleren oder höheren Währung. Innerhalb
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