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,Die Herrschaft des Wortes 1
innig verschweißt, daß wir sie in ihrer Trennung gar nicht mehr
empfinden; es ist uns Ein Wort geworden, fast so wie „Ursache“.
Bringt man nur jene stumme Definition in Anschlag, die im
bloßen Wortlaut „Grundbegriffe“ enthalten ist, dann muß man zu
geben, daß es in jeglicher Wissenschaft möglich sei, von „Grund
begriffen“ zu sprechen. Jede Wissenschaft kann diesen Ausdruck als
Bezeichnung vergeben, sofern sie nur von „Begriffen“ sprechen will.
Denn jede ist in der Lage, das als „Begriffe“ Bezeichnete unter
irgendeinem Gesichtspunkt so zu ordnen, um „Grundbegriffe“ aus
sondern zu können. Je triftiger die Gründe dieser Aussonderung
wären, je mehr dadurch für das Verständnis wissenschaftlicher Eigen
art gewonnen, desto mehr bekäme jene Bezeichnung einen methodo
logischen Anstrich.
Aber der Ausdruck „Grundbegriffe“ wird auch unzählige Male als
eine rein gelegentliche Bezeichnung verwendet; zu der man weder ver
bunden ist, noch daß man irgendwie durch sie verbunden würde. Die
Verwendung erfolgt gleichsam gesprächsweise; irgendein Sachverhalt
läßt nach diesem Ausdruck um der bloßen Empfindung wegen greifen,
daß dieser Sachverhalt im Einklänge steht mit der stummen Definition,
die der Ausdruck mit sich herumträgt. Mit dem Sachverhalt aber
wechselt von einem Falle zum anderen dann auch das so Bezeichnete.
Da faßt zum Beispiel einmal O. Liebmann „Trägheit“ und „Kraft“ 1 )
als „Grundbegriffe“ zusammen, mit ebenso gutem Rechte, als ein ander
mal Trendelenburg 2 3 ) die nämliche Bezeichnung im Angesichte
von sage und schreibe 993 Definitionen verwendet. Das Recht auf
eine solche Verwendung kurzerhand liegt noch offener, wenn der
Ausdruck „Grundbegriffe“ einen bestimmenden Zusatz erhält; in solcher
Weise spricht zum Beispiel H.Rickert 8 ) wiederholt von den „logischen
Grundbegriffen der historischen Wissenschaften“. Auch die ganze Sach
lage kann die unbefangene Verwendung jenes Ausdruckes rechtfertigen;
ein Fall, der zum Beispiel dort zutrifft, wo R. E u c k e n über ein geist
volles Buch den Titel geschrieben: „Die Grundbegriffe der Gegenwart“.
In der Nationalökonomie, und deutscher Zunge also, hat es
mit dem Ausdruck „Grundbegriffe“ seine ganz besondere Bewandtnis.
Eine Reihe von Umständen sprechen dafür, daß in diesem Punkte für
die Nationalökonomie ein Ausnahmeverhältnis gilt, mag dieses zuweilen
auch in ihrem eigenen Bereiche verleugnet werden. Hierzu ein derbes
1 ) Zur Analysis d. Wirklichkeit, S. 294 Anm.
Historische Beiträge, 3. Bd., S. 22.
3 ) Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, Freiburg 1896, v. z. B. S. 22.