Full text : Wirtschaft als Leben

IOO

,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

An  eines  jener  Worte  also,  die  sich,  wie  die  Dinge  einmal  liegen,
sofort  als  Gruppe  einstellen,  wenn  sich  nur  erst  Eines  eingestellt  hat;
und  die  einzeln  wie  in  der  Gruppe  doch  gerade  auf  die  Nationalökonomie ­
  verweisen,  soweit  sie  mehr  als  Worte  sein  wollen  1  Es  kommt
also  zum  schönsten  Zirkeltanz:  das  nämliche  Wort,  das  Schlüsselwort
der  Nationalökonomie  sein  will,  soll  dennoch  erst  in  der  Nationalökonomie ­
  jene  Deutung  finden,  die  für  die  nationalökonomische  Eigenart ­
  entscheidend  gedacht  wird!  Wenn  solcher  Zirkeltanz  aber  das
Wirkliche  vorstellt,  und  also  irgendwie  möglich  sein  muß,  so  besagt
dies  noch  lange  nicht,  daß  er  zugleich  auch  logisch  einwandfrei  sei.
Soll  nun  etwa  in  diesem  Punkte  die  Logik  unseres  Denkens  notwendig
am  Ende  sein,  wäre  unserem  Denken  hier  aus  seiner  Eigenart  heraus
eine  Grenze  gesetzt?  Ich  glaube,  das  bleibt  doch  noch  zu  untersuchen.
Sonst  käme  es  im  voraus  zu  einer  Kapitulation  unseres  Denkens  vor
dem  Worte;  keinerlei  Herkommen  vermöchte  sie  zu  beschönigen.
Die  vergleichsweise  Vielverwendung  der  fraglichen  Worte  steigert
sich  übrigens  in  der  späteren  Nationalökonomie.  Es  kommt  noch  zur
Sprache,  wie  im  Entwicklungsgang  der  Wissenschaft  eine  Anzahl  der
Worte,  die  als  Eingeborene  Fachausdrücke  so  alt  wie  die  Nationalökonomie ­
  selber  sind,  sich  zu  Leitworten  ganzer  Forschungsrichtungen ­
  auswachsen.  Damit  hören  sie  natürlich  erst  recht  nicht
auf,  Fachausdrücke  zu  sein.  Sie  unterstreichen  sich  gleichsam  in  dieser
Eigenschaft;  und  für  weiteste  Gebiete  der  Forschung  bleiben  sie
daneben  schlichte  Fachausdrücke  nach  wie  vor.  Aber  jedenfalls  sind
sie  daraufhin  noch  häufiger  im  Munde  der  Nationalökonomie.  Dieses
unverkennbare  Anschwellen  ihrer  Vielverwendung  darf  aber  nicht  zu
dem  Glauben  verführen,  als  ob  diese  Vielverwendung  überhaupt  erst
mit  der  Zeit  eingetreten  wäre.
Als  Eingeborene  Fachausdrücke  sind  die  vielberufenen  Worte  schon
daran  zu  erkennen,  daß  sie  von  Haus  aus  in  vergleichsweiser  Vielverwendung ­
  stehen.  Dieses  äußere  Merkmal  ist  schon  zureichend,  aber
das  ergänzende  Merkmal,  die  Unvermeidlichkeit  der  Verwendung,  ist
trotzdem  nicht  überflüssig:  weil  es  unserem  Denken  gleichsam  einen
Halt  darbietet,  um  nicht  aus  der  Erfassung  des  Tatbestandes  unversehens ­
  in  seine  Erklärung  zu  gleiten  1  Dazu  verleitet  hier  schon  die
erschreckend  äußerliche  Natur  des  zureichenden  Merkmales,  des  bloßen
Umstandes  eben,  daß  in  nationalökonomischen  Erörterungen  jene  Worte
so  bezeichnend  häufig  wiederkehren.  Schon  deshalb  ist  es  gut,  wenn
man  hier  die  Grenzen  des  schlechthin  Tatsächlichen  wohl  beachtet.
Wirklich  zu  erfahren,  also  noch  zum  Tatbestand  selber  gehörig,  ist  aber
nur  der  weitere  Umstand,  daß  ein  Zwang  zur  Verwendung  jener
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.