Full text : Wirtschaft als Leben

io6

,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

kann  ein  Zweifel  nie  herrschen,  daß  hier  ein  Hersagen  von  Worten  eintritt!
In  diesem  Sinne  rechtfertigt  sich  die  harmlose  Verwendung,  die  ich  diesem
Ausdruck  angedeihen  lasse.
Gesetzt,  es  würde  mich  der  Weiterlauf  der  Kritik  dazu  führen,  die  Ausdrücke ­
  „Wort“  und  „Begriff“  und  noch  andere,  nach  der  Art  ihrer  Verwendung
gegenseitig  in  ein  klares  Verhältnis  zu  bringen.  Dann  würde  es  offenbar
möglich,  dem  Ausdrucke  „Wort“  eine  Definition  zu  verknüpfen.  Nun  wäre
es  an  sich  fragwürdig,  wenn  ich  dieser  Definition  eine  rückwirkende  Kraft
beilegen  wollte,  um  die  logische  Strenge  der  vorhergegangenen  Erörterung
zu  retten.  Dazu  läge  aber  gar  kein  Anlaß  vor,  weil  unter  den  oben  betonten ­
  Umständen  umgekehrt  zu  erwarten  ist,  daß  jene  Definition  es  erklärt,
warum  man  den  Ausdruck  „Wort“  harmlos  verwenden  darf,  ohne  gegen  die
logische  Strenge  zu  verstoßen.  Das  will  sagen,  die  Definition  des  Ausdruckes
„Wort“  muß  ihre  eigene  Entbehrlichkeit  erweisen,  sofern  es  nicht  auf  jene
besonderen  Erwägungen  ankommt,  die  auch  diese  Definition  nötig  machen.
Jenes  Verhältnis  der  bloßen  Worte,  die  Artgemeinschaft  der  Eingeborenen ­
  Fachausdrücke,  war  als  ein  Tatbestand  aufzufassen,  dessen
Erklärung  im  wesentlichsten  Sinne  dahinstehen  muß.  Diese
scharfe  Sonderung  zwischen  Tatbestand  und  Erklärung  ist  im  Interesse
der  Kritik  geboten;  die  Kritik  muß  auf  diese  Art  ihre  Eigenart  rein
erhalten,  und  sich  der  Versuchungen  erwehren,  durch  die  ihr  unsere
herkömmlichen  Anschauungen  gefährlich  werden.  So  scharf  aber  jene
Sonderung  zwischen  Tatbestand  und  Erklärung  geboten  erscheint,  es
ist  andererseits  höchst  wichtig,  daß  sie  überhaupt  nur  vom  Boden  dieser
Kritik  aus  Platz  greift.  Aus  einem  Sachverhalt,  der  nur  in  Einheit  und
Zusammenhang  wirklich  ist,  erscheint  da  als  Tatbestand  ausgeschnitten,
was  der  Kritik  auf  den  ersten  Zugriff  erreichbar  ist;  was  also  von  ihrem
Standpunkt  aus  das  Erfahrbare  vorstellt.  Der  Rest,  der  zurückbleibt,
ist  für  die  Kritik  nur  auf  dem  Umwege  von  allgemeinen  Erörterungen
erreichbar,  und  wäre  daher  in  diesem  Sinne  als  Erklärung  nachzutragen.
Ein  Verhältnis  der  bloßen  Worte,  gleich  jener  Artgemeinschaft,
kann  sozusagen  nicht  aus  sich  selber  Dasein  schöpfen.  Es  muß  ihm
das  nähere  Verhältnis  der  Worte  zum  Denken  unterliegen;  und  in
diesem  Falle  zum  fachlichen  Denken.  Denn  es  liegt  nahe,  daß  Worte,
die  nach  ihrem  Gebaren  innerhalb  einer  Sonderwissenschaft  vor  den
übrigen  Worten  hervorstechen,  insbesondere  auch  zum  fachlichen
Denken  ein  Verhältnis  einhalten,  das  für  andere  Worte  nicht  gilt,  und
das  in  seiner  Eigenheit  mitbaut  an  der  Eigenart  dieses  fachlichen,  also
hier  des  nationalökonomischen  Denkens.
So  wird  der  sachliche  Hintergrund  der  Eingeborenen  Fachausdrücke
            
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