Full text : Wirtschaft als Leben

Begleitwort.

XIII

schaftlichen  Denken  spielt.  Diese  „Herrschaft  des  Wortes“  steht  auch
weit  ab  davon,  nur  eine  terminologische  Angelegenheit  zu  sein.  Sie
hat  mit  der  Frage  der  richtigen  Nennung,  oder  der  Verwendung  tauglicher ­
  Fachausdrücke,  gar  nichts  zu  tun.  Darum  bleibt  es  auch  völlig
dahingestellt  und  dem  Hergang  der  Forschung  überlassen,  ob  jene
vielberufenen  Worte  sich  überhaupt  für  den  Dienst  als  Fachausdrücke
eignen,  oder  etwa  als  Namen  von  eindeutigen  Tatbeständen,  und  ob
man  sie  dazu  auch  tatsächlich  heranziehen  soll.  Keineswegs  diesen
Worten  selber  und  ihrer  möglichen  Verwendung  im  Fache  ist  aufgesagt,
  sobald  man  „Freiheit  vom  Worte“  fordert,  sondern  eben  nur
der  unbefugten  Rolle,  die  man  ihnen  einräumt,  durch  die  herkömmliche
Art,  Theorie  grundlegend  zu  treiben,  eben  im  Sinne  jenes  „Ausgangs
vom  Worte“  1
Dem  setzt  nun  Erkenntniskritik  die  Forderung  entgegen,  von
Problemen  auszugehen!  Man  spricht  zwar  auch  von  einem  „Wertproblem“, ­
  einem  „Kapitalproblem“,  einem  „Produktivitätsproblem“  und
so  in  der  Reihe  weiter;  allein,  damit  steht  es  doch  nur  so,  daß  man
diese  Worte  ausspricht,  um  sich  über  die  Probleme  ausschweigen  zu
können,  deren  Lösung  man  auf  diese  seltsame  Weise  dem  theoretischen
Denken  zugeschoben  glaubt.  Die  Wissenschaft  muß  sich  doch  auch
in  der  theoretischen  Forschung  als  Tat  bewähren,  aber  es  fehlt  an  jeder
klaren  Richtschnur  für  ihr  Vorgehen,  sobald  diesem  Vorgehen  ein  bloßes
Wort  als  Wegweiser  dienen  soll.  Der  Mißstand  liegt  nicht  bei  der
Vieldeutigkeit  schlechthin  dieser  Worte,  sondern  darin,  daß  ein  vieldeutiges ­
  Wort  von  sich  aus  das  Denken  bald  dahin,  bald  dorthin  in
Bewegung  versetzen  kann,  daher  sich  die  verschiedenen  Theoretiker,
je  nach  dem  persönlichen  Zufall  ihrer  eigenen  Deutung,  um  ganz  verschiedene ­
  Probleme  abmühen.  Für  die  Allgemeinheit  läßt  eben  das
Wort  allein  völlig  in  Ungewißheit  über  die  Aufgabe,  die  es  der  Erkenntnis ­
  vorsetzt.  Diese  Aufgabe  muß  aber  schon  als  solche  klar  gegeben ­
  sein,  in  Gestalt  eines  inhaltlich  entwickelten  Problems,  erst  dann
winkt  die  rechte  Lösung.
Dieses  selbstbesonnene  Vorgehen,  in  Gestalt  des  Ausgangs  von
offen  aufgerollten  Problemen  statt  von  Worten,  führt  nun  der  zweite
Aufsatz  gleich  an  einem  praktischen  Beispiel  vor,  indem  er  die  „Formeln
zur  Erkenntnis  des  Alltäglichen“  entwickelt.  Hier  mußte  die
Darlegung  freilich  wie  mit  der  Tür  ins  Haus  fallen,  sonst  wäre  die
eigentliche  Sache  erstickt  unter  all  dem,  was  man  vorher  zu  ihrer  Rechtfertigung ­
  sagen  müßte.  Hier  wirft  sich  als  Problem  auch  nur  die  ganz
allgemeine  Forderung  auf,  das  Jedermannswissen,  die  bloße  Kenntnis
vom  Alltag,  zu  dessen  Erkenntnis  zu  vertiefen,  gemäß  der  Auffassung
            
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