Full text : Wirtschaft als Leben

Über  die  „Grundbegriffe“  VI.

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Interesse  daran  zu  finden  1 ).  Für  den  Hausgebrauch  sind  wir  eben  versehen,
für  alles  weitere  fehlt  der  Kitzel  des  Absonderlichen.  Es  fehlt  aber  nicht
bloß  der  Anreiz,  diese  Dinge  machen  uns  das  Nachdenken  auch  nicht  leicht.
Abermals  weniger,  weil  sie  in  so  übergroßer  Nähe  sind,  der  sich  unser
geistiger  Blick  erst  anpassen  muß  (und  gerade  Dies  fällt  dem  Fachlogiker,
der  gewöhnlich  durch  die  Schule  eines  Denkens  über  die  „letzten  Dinge‘<
gegangen  ist,  ganz  naturgemäß  schwer;  so  daß  am  meisten  noch  die  Nationalökonomie ­
  die  Ordnung  ihrer  häuslichen  Angelegenheiten  in  eigene  Regie
übernehmen  muß).  Vor  allem  wurzelt  die  Schwierigkeit  darin,  daß  unser
Nachdenken  überall  im  zähen  Brei  des  schlicht  Vorgedachten
herumwaten  muß.  Dieses  schlicht  und  keck  zugleich  Vorgedachte  schwatzt
überall  herein,  weiß  alles  im  voraus,  bringt  z.  B.  auch  Tatbestand  und  Erklärung ­
  durcheinander  —  in  der  Tat  die  gleichen  Schwierigkeiten,  die  dem
methodologischen  Denken  aus  dem  Alltagsleben  einer  Wissenschaft  heraus
erwachsen!
So  ist  es  ganz  gut  zu  verstehen,  daß  just  die  lebensgrünste  Wissenschaft,
die  sich  eines  unermeßlichen  Erfahrungsgebietes  voll  der  packendsten  Vorwürfe ­
  rühmen  darf,  lange  Zeit  hindurch  nur  aus  Ansätzen  bestanden  hat,
in  der  Hut  älterer  Wissenschaften,  und  eines  so  gegensätzlichen  Schlages,
daß  sie,  als  echte  Erfahrungswissenschaft,  bei  ihnen  vielleicht  nicht  die  beste
Kinderstube  genoß.  Bis  sie  endlich  sich  selber  gefunden  hatte;  wohl  ein
bißchen  zu  sehr  durch  Kammer,  Kanzlei  und  Kontor  hindurch,  wie  es
abermals  der  Unstern  ihres  Erfahrungsstoffes  mit  sich  bringen  mußte.  Daß
die  Nationalökonomie  überdies  —  wenn  mir  im  Vorbeigehen  auch  diese
vorwitzige  Bemerkung  erlaubt  ist!  —  das  Unglück  hatte,  ein  Wunderkind
z u  sein,  und  „klassisch“  war,  ehe  sie  recht  wußte,  daß  und  wie  sie  eine
Erfahrungswissenschaft  sei,  das  gehört  auch  hierher.  Das  Genie  verfrühter
Autoritäten  muß  schon  sehr  viel  Gutes  tun,  um  das  viele  Böse  wettzumachen,
das  ihre  Worte  und  Wendungen  einer  Erfahrungswissenschaft  zufügen
können,  wenn  die  letzteren,  mit  der  Wucht  der  Autorität  in  die  Erinnerung
eingehämmert,  zu  einem  eisernen  Bestand  an  Worten  hinzutreten,  unter  dem
das  Denken  haltlos  auf  und  ab  wallt.
Aus  jenem  Grundverhältnis  nun,  daß  die  Nationalökonomie  eine  der
Erfahrungswissenschaften  von  den  menschlichen  Handlungen  sei,  ergeben  sich
die  Wissenschaften  ganz  von  selber,  die,  ohne  ihresgleichen  zu  sein,  bei  ihr
wenigstens  die  Patenstelle  übernehmen  mußten;  wenn  auch  alles  nationalökonomische ­
  Denken  in  letzter  und  entscheidender  Linie  aus  der  Alltagskenntnis ­
  emporwächst.
Den  ersten  Anlaß  wohl,  das  Handeln  mehr  zu  überdenken,  als  es  schon

l )  v gl-  Windelband,  „Präludien“,  S.  208.
            
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