Full text: Wirtschaft als Leben

Über die „Grundbegriffe“ VII. 
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Noch etwas sei hier beiseite gesagt. Der Einklang zwischen Denken 
und Gefühl, wie er allem herkömmlichen Verhalten gegenüber jenen Worten 
innewohnt, wird natürlich auch zu einem versteckten Hindernis für diese Art 
Kritik hier. Die letztere stößt nicht einfach gegen das Herkommen an. Es 
widerstrebt besonders noch jenem laienhaften Denken in uns, das an seine 
Worte und ihren Ernst blindlings glaubt, wenn sich kritische Zweifel an 
diesen Worten vergreifen wollen. So ist es im voraus klar, daß sich dieser 
„Schuß“ Laiendenken erst recht gegen die Erwägungen sträuben muß, denen 
diese Kritik später nachgehen wird. Von der Art etwa, ob wir das Ver 
hältnis jener Worte zu unserem Denken nicht doch in irgendeinem wesent 
lichen Sinne verkennen; indem wir vielleicht den vielseitigen Mittler für die 
einschichtige Sache nehmen usw. Und nun erst die Vorstellung, die aus 
solchen Bedenken emporwächst, daß jene „Lehren“ — in engerem Sinne — 
vielleicht nichts anderes seien, als wildes Fleisch, wuchernd aus stets von 
neuem gereizten Wunden — Wunden, die unserem Denken der Druck der 
Worte erzeugt, von denen es nicht loszukommen weiß, und doch loskommen 
muß, aus vielen guten Gründen 1 Lauter Dinge, die nicht einfach den her 
kömmlichen Anschauungen abzutrotzen sind, die ihren härtesten Strauß mit 
den Vorurteilen zu bestehen haben, wie sie jener Personalunion zweierlei 
Denkens entspringen. 
Es kommt also nur auf ein wenig Besonnenheit im Denken an, 
und nichts kann natürlicher erscheinen, als daß ursprünglich auch jene 
Worte eine harmlose Verwendung gefunden haben, denen gegenüber 
unser Denken inzwischen alle Unbefangenheit eingebüßt hat. Rechnet 
naan also nach dem Schicksal der vielberufenen Worte, dann darf man 
von einem Urzustände der nationalökonomischen Erörterung 
sprechen, bei dem jene Worte noch im Dunkel der Sprache verborgen 
lagen. Wie lange dieser Urzustand gewährt hat, ist völlig gleich 
gültig. Jedenfalls war damals das nationalökonomische Denken noch 
zu sehr von seinem Stoffe beherrscht, um sein eigenes Gebaren und 
dessen äußere Bedingungen in acht zu nehmen. An Stoff hat es 
sicher nicht gemangelt, weil eben die Nationalökonomie bestimmte 
Richtungen des alltäglichen Denkens fortsetzt. Stoff waren also die 
mancherlei Angelegenheiten, die schon die Alltäglichkeit mit Hilfe 
jener Worte erörtert, unter dem gleichen Zwange ihrer vergleichs 
weisen Vielverwendung, ohne sich weiter darum zu kümmern. Jene 
Angelegenheiten blieben natürlich auch dann noch Antrieb und Gegen 
stand nationalökonomischer Erörterungen, nachdem das Denken dabei 
längst schon seine Harmlosigkeit im Gebrauche jener Worte verloren 
hatte. Es ist auch ohne weiteres klar, daß viel, sehr viel im engeren 
v. Gottl-Ottlilienfeld, Wirtschaft als Leben. 9
	        
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