Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II. Buch. Der Güteraustausch. 
unzufriedener Schneider. Wenn es wahr wäre, daß das Glück und das 
Wohlbefinden der Menschen genau abgemessen werden könnte und in dem 
Maße abnähme, als das Einkommen der einzelnen Menschen größer würde, so 
wären die Socialisten und alle die, welche die Einkommen möglichst gleich 
groß gestalten wollen, im Besitz einer mächtigen Waffe, da sie verkünden 
könnten, daß die von ihnen vorgeschlagenen Maßregeln die Menschen glücklich 
und zufrieden zu machen geeignet seien. 
Drittes Kapitel. 
Die freie Preisbildung. Die Marktpreise (Fortsetzung). 
Es ist nicht zu verwundern, daß die Marktpreise häufigen Schwankungen 
unterliegen. Der verwickelte Charakter der sie bestimmenden Ursachen er 
klärt das vollständig. Die mannigfachen Veränderungen auf dem Gebiete 
der Technik der Productionsprocesse, der Wechsel zwischen guten und schlechten 
Ernten der verschiedenen Fruchtgattungen, die Entdeckung neuer wie die Er 
schöpfung der benutzten Bergwerke und viele andere Umstände üben ihre 
Wirkung auf die Productionskosten und auf das Angebot aus. Und anderer 
seits macht sich jeder Wechsel in den Kleidermoden, in der Art des Häuser 
baues und der Wohnungseinrichtung, in der Ernährungsweise der Bevölkerung 
und der Hausthiere, in der militärischen Ausrüstung u. dgl. so mächtig fühl 
bar, daß die Nachfrage nach den betreffenden Gegenständen dadurch in hohem 
Grade beeinflußt wird. Im allgemeinen kann man behaupten-, daß die 
Schwankungen der Preise desto größer sind, 
1. je nothwendiger für den Lebensunterhalt sich die Güter erweisen. 2o 
sind die Lebensmittelvorräthe und namentlich das Getreide gewaltigen Preis 
schwankungen ausgesetzt. Beispielsweise standen die Weizenpreise in England 
im Jahre 1782 doppelt so hoch als im vorhergehenden Jahre, und iM 
Jahre 1836 waren sie daselbst nur halb so hoch als im Jahre 1831 1 . 
2. je geringere Bedeutung die Stelle besitzt, welche die Ausgaben i*‘ r 
die betreffenden Güter unter den Gesamtausgaben des Käufers einnehmen- 
1 In Frankreich betrug die Weizenernte 
im Jahre 1817 . . 48 Millionen hl zum Tauschwerth von 2046 Millionen Francs, 
» 1818 . . 53 „ „ ., „ 1442 
» .. 1819 . .64 „ „ ., „ „ 1170 
(siehe Roscher a. a. O. 11).
	        
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