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XX Begleitwort.
ungleich gerechter geworden, als die meisten der Fachhistoriker, deren
ureigenste Sache ich doch vertrat 1 Mit meinen erkenntniskritischen
Arbeiten habe ich niemals Glück gehabt.
Dieser Vortrag — „Die Grenzen der Geschichte“ — er
weitert um einen sehr ausgreifenden Anhang, erschien noch im Herbst
1903, mit der Jahreszahl 1904. Bei uns hat er auch späterhin wenig
Beachtung gefunden, mehr dagegen im Auslande — genannt sei nur
Benedetto Croce. Ich muß freilich zugeben, verwegener hätte ich mich
an Anschauungen geheiligtsten Herkommens nicht vergreifen können,
als durch meine Thesen: geologische und historische Erkenntnis wären
einander von der Wurzel aus so fremd und sie gehen so unbezogen
nebeneinander her, daß uns bloß ein grober, wenn auch höchst ver
führerischer Denkfehler daran glauben läßt, es fänden die historischen,
schicksalserfüllten Jahrtausende in die Vergangenheit zurück ihre Fort
setzung in den geologischen Jahrmillionen; vielmehr liefe da von an-
fang an „erlebte“ und „gedachte“ Zeit glatt aneinander vorbei. Jene
letzten Grenzen der Geschichte aber, die bei dieser grundsätzlichen Er
wägung in Frage stehen, seien für ihren Teil überhaupt nicht mehr in
der Form der Zeit denkbar — transtemporal.
Meiner Absicht nach sollten sich in einer so aufreizenden Folgerung
um so greller die Prämissen spiegeln, auf die es mir ankam: eben der
grundwesentliche Abstand zwischen den beiden Arten von Erkenntnis 1
Da wie dort muß das begriffliche Denken — und solches wird bei
aller Wissenschaft erbarmungslos gefordert — ein Geschehen geistig
in sich übernehmen. Da wie dort geht dies Hand in Hand damit,
Zusammenhang zu bejahen. Für das naturwissenschaftliche Denken
ist jedoch dieser Zusammenhang schon ein wissenschaftlich erarbeiteter;
gegeben sind hier nur zeitlich-räumliche Abfolgen der an sich zusam
menhanglosen „Erscheinungen“, Zusammenhang gilt für dieses Ge
schehen letzten Endes erst vom Boden der Naturgesetze aus. Für das
Erkennen auf unseren Gebieten hebt sich dagegen der Zusammenhang
gleich unmittelbar vom Erleben ab. Hier hängt das Geschehen auch
ganz anders, nämlich vom Boden der logischen Denkgesetze aus zu
sammen.
Das ist auch richtig. Mindestens legt dieser „logische“ Zusam
menhang stets den Grund für das hier so eigentümliche „Verstehen“
des Geschehens, immer erst dieser „Eindenkung“ in das Geschehen
gesellt sich dann die „Einfühlung“. Durch sie kann auch ein „un
logischer“ Hergang im Geschehen, etwa das Tun eines Zornigen, für
uns durchaus „verständlich“ sein. Aber das Zusammenhängen ge
mäß der logischen Denkgesetze bietet gleichsam doch den ersten