Full text: Wirtschaft als Leben

zMN 
XXII Begleitwort. 
schon dem Bekenntnis vorgreifen, daß besonders meine späteren Ar 
beiten in Erkenntniskritik gleichsam nur ein immer wiederholtes Stimmen 
der Instrumente waren, mit denen ich beruflich Musik zu machen 
hatte — in meinen Vorlesungen! Stets wieder trieb es mich zu be 
sinnlicher Einkehr, wo ich mir über mein eigenes Vorgehen nicht einig 
war; meinen Blick für diese Dinge hatte ich aber genügend geschärft, 
daher dies bis zur Selbstquälerei häufig eintrat. So nun auch in diesem 
Falle. Seit langem war, gestützt von der so erbärmlichen „Schullogik“ 
her, das trügerische Schema einer „Universalmethode“ eins geworden 
mit einem tief eingerosteten Selbstbetrug des Erkennens auf unseren 
Gebieten. Zwar hatte sich die wissenschaftliche Logik auch schon seit 
längerem dagegen gestemmt. Namentlich war die Bahn zu der Einsicht 
schon gebrochen, daß sich unser begriffliches Denken ebensogut aut 
das Besondere wie auf das Allgemeine einstellen kann. Aber wie man 
sich im ersteren Fall als Denkender eigentlich benimmt, was hier den 
rein logischen Hergang ausmacht, darüber erschienen mir die letzten 
Aufschlüsse zum Teil doch als allzu schlagwörtlich. Warum etwas so 
Naheliegendes verhehlen, daß mir persönlich Wendungen gleich der 
vom „Beziehen auf Kulturwerte“ recht mißtönig ins Ohr klingen — 
zu tief wurzelt in mir die Überzeugung: in irgendeiner verwickelten 
Denklage spricht man immer nur dort von „Wert“, wo eine Sache 
noch nicht zu Ende gedacht ist! Dieses Zu Ende Denken kann hin 
und wieder dem Gedanken selber den Hals umdrehen, der sich mit 
seiner eigenen Nichtigkeit hinter dieses Trugwort geflüchtet hat. Ohne 
Belang ist es wohl nicht, daß sich im Mutterland der ganzen Wertelei, 
eben in unserer fachlichen Theorie, nachweislich das hohle Scheinproblem 
eines „Allpreisgrundes“ dahinter verkrochen hat. Den Siegeszug, den 
dieses verhängnisvolle Wort vornehmlich von da aus über die ganze 
moderne Philosophie hin antrat, verfolge ich seit Jahren mit Staunen, 
offengestanden aber nicht gerade mit übergroßem Respekt vor der 
Disziplin im Denken, die sich darin verrät. 
Es hat wirklich sein Gutes gehabt, die Reihe mit der „Theorie 
des Individuellen“ zu eröffnen. Ganz ungezwungen erwies sich damit, 
wie die rein logische Erwägung doch wieder zurückdrängt zu erkenntnis 
kritischer Besinnung! Zugleich war eine praktische Probe darauf ab 
gelegt, daß es niemals zureicht, die Eigenart unserer fachwissenschaft 
lichen Erkenntnis nur rein logisch zu kennzeichnen. Dem Fachlogiker 
darf dies natürlich genügen, wenn er auf seinem eigensten Gebiete 
den Schnitt ziehen will zwischen der Begriffsbildung da und dort. 
Den Fachwissenschaftler aber führt es bei seiner Arbeit völlig in die 
Irre, wenn ihm daraufhin zum Beispiel gesagt wird, mit jeglicher
	        
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