240
„Die Herrschaft des Wortes",
dem Forschen bereits dann, wenn der Arbeit an den Tatsachen
immer noch die rohen Werkzeuge dienen. Diese hilfreichen Worte
wird die Theorie der Forschung niemals aus der Hand reißen; in
solcher Weise bricht die rechte Stunde nicht herein. Sie winkt über
haupt nur aus einer fernen Zukunft. Sie wird mit der Eintracht da
sein, die aus dem Sachstreit erblühen muß. Diese Theorie kehrt ja
in das Denken ein, das sich im Handeln auslebt; so macht sie im
Erfolge den Satz wahr, daß alles, was mit dem Handeln gegeben ist,
in der vollen Gewalt unseres Denkens sei. Über die Weise, in der
unser Denken in das Handeln eingreift, müssen sich Definitionen ab-
klären, die das Handeln im lebendigen Kern erfassen; ungleich tiefer,
als wir im Handeln selber das Handeln erfassen, was ja stets nur
seinem Vollzüge zuliebe, nie seiner Erkenntnis halber geschieht. Mit
jener Gewalt lebendiger Wahrheit zu definieren, das mag unseren
Enkeln Vorbehalten sein. Aber sei es noch so allmählich, ebenso
gewiß leitet jene Theorie zur vollendeten Art hin, über das
Handeln zu sprechen. Und diesen Vorteil wird auch der Forscher
in Tatsachen sich nicht entgehen lassen. Ebenso allmählich, wie der
Umwechsel in der Art des Sprechens möglich wird, wird er auch
eintreten. Man legt die rohen Werkzeuge gern beiseite, wenn schärfere
zur Hand sind. Im Äußeren mag es wie immer ein Umtausch von
Worten sein, jedenfalls ist dann die Wissenschaft, die sich mit Grund
worten bescheiden mußte, zur Klarheit über ihre Grundbegriffe
gekommen. Der Sinn aber, wie Theorie und Forschung dann vereint
geschlagen haben, ist eins mit dem Erfolge in jenem Streben, von
dem die Theorie beseelt war: die Emanzipation des nationalökono
mischen vom urwüchsigen Denken — volle Herrschaft über den Stoff 1
Die Wege, die solche Theorie klarbewußt zu wandeln hätte, sind
durchaus nicht unbegangen. Im tatsächlichen Erfolg ist gar vieles ge
schehen; man darf dies anerkennen, und deshalb bleibt dennoch die
Art, wie sich die nationalökonomische Theorie mit ihrer Pflicht ab
findet, der Kritik Vorbehalten. Besonders jener Richtung, die man als
die Österreichische Schule zu bezeichnen pflegt, wird man die
Anerkennung zollen müssen, daß sie in verdienstvoller Entschiedenheit
jene Pfade begeht 1 ). Sie vor allem richtet den Blick klar auf das
Handeln; am meisten noch in ihr arbeitet sich der Drang empor,
Probleme für Worte zu setzen. In diesem wesentlichen Sinne ist auch
') Ich hätte richtiger gesagt: v. Böhm-Bawerk! Vgl. unten in , .Freiheit vom
Worte“, Abschnitt 17. (1925)