Full text : Wirtschaft als Leben

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„Die  Herrschaft  des  Wortes",

dem  Forschen  bereits  dann,  wenn  der  Arbeit  an  den  Tatsachen
immer  noch  die  rohen  Werkzeuge  dienen.  Diese  hilfreichen  Worte
wird  die  Theorie  der  Forschung  niemals  aus  der  Hand  reißen;  in
solcher  Weise  bricht  die  rechte  Stunde  nicht  herein.  Sie  winkt  überhaupt ­
  nur  aus  einer  fernen  Zukunft.  Sie  wird  mit  der  Eintracht  da
sein,  die  aus  dem  Sachstreit  erblühen  muß.  Diese  Theorie  kehrt  ja
in  das  Denken  ein,  das  sich  im  Handeln  auslebt;  so  macht  sie  im
Erfolge  den  Satz  wahr,  daß  alles,  was  mit  dem  Handeln  gegeben  ist,
in  der  vollen  Gewalt  unseres  Denkens  sei.  Über  die  Weise,  in  der
unser  Denken  in  das  Handeln  eingreift,  müssen  sich  Definitionen  abklären,
  die  das  Handeln  im  lebendigen  Kern  erfassen;  ungleich  tiefer,
als  wir  im  Handeln  selber  das  Handeln  erfassen,  was  ja  stets  nur
seinem  Vollzüge  zuliebe,  nie  seiner  Erkenntnis  halber  geschieht.  Mit
jener  Gewalt  lebendiger  Wahrheit  zu  definieren,  das  mag  unseren
Enkeln  Vorbehalten  sein.  Aber  sei  es  noch  so  allmählich,  ebenso
gewiß  leitet  jene  Theorie  zur  vollendeten  Art  hin,  über  das
Handeln  zu  sprechen.  Und  diesen  Vorteil  wird  auch  der  Forscher
in  Tatsachen  sich  nicht  entgehen  lassen.  Ebenso  allmählich,  wie  der
Umwechsel  in  der  Art  des  Sprechens  möglich  wird,  wird  er  auch
eintreten.  Man  legt  die  rohen  Werkzeuge  gern  beiseite,  wenn  schärfere
zur  Hand  sind.  Im  Äußeren  mag  es  wie  immer  ein  Umtausch  von
Worten  sein,  jedenfalls  ist  dann  die  Wissenschaft,  die  sich  mit  Grundworten ­
  bescheiden  mußte,  zur  Klarheit  über  ihre  Grundbegriffe
gekommen.  Der  Sinn  aber,  wie  Theorie  und  Forschung  dann  vereint
geschlagen  haben,  ist  eins  mit  dem  Erfolge  in  jenem  Streben,  von
dem  die  Theorie  beseelt  war:  die  Emanzipation  des  nationalökonomischen ­
  vom  urwüchsigen  Denken  —  volle  Herrschaft  über  den  Stoff  1
Die  Wege,  die  solche  Theorie  klarbewußt  zu  wandeln  hätte,  sind
durchaus  nicht  unbegangen.  Im  tatsächlichen  Erfolg  ist  gar  vieles  geschehen; ­
  man  darf  dies  anerkennen,  und  deshalb  bleibt  dennoch  die
Art,  wie  sich  die  nationalökonomische  Theorie  mit  ihrer  Pflicht  abfindet, ­
  der  Kritik  Vorbehalten.  Besonders  jener  Richtung,  die  man  als
die  Österreichische  Schule  zu  bezeichnen  pflegt,  wird  man  die
Anerkennung  zollen  müssen,  daß  sie  in  verdienstvoller  Entschiedenheit
jene  Pfade  begeht 1 ).  Sie  vor  allem  richtet  den  Blick  klar  auf  das
Handeln;  am  meisten  noch  in  ihr  arbeitet  sich  der  Drang  empor,
Probleme  für  Worte  zu  setzen.  In  diesem  wesentlichen  Sinne  ist  auch

')  Ich  hätte  richtiger  gesagt:  v.  Böhm-Bawerk!  Vgl.  unten  in  ,  .Freiheit  vom
Worte“,  Abschnitt  17.  (1925)
            
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