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,Die Herrschaft des Wortes",
die Mittel dar, die Einheit des Ganzen immer tiefer zu erschließen!
Es entwirren sich immer mehr der Zusammenhänge, die erst von da
ab unserem Verständnis dienlich werden. In diesem gedoppelten Sinne
ist hier selbst jede „asymptotische“ Näherung an eine haltgebietende
Grenze ausgeschlossen. So erscheinen die Wissenschaften der Tat recht
eigentlich als die Gebiete wissenschaftlicher Tat. Es blüht ihnen ewige
Jugend.
IV.
Die Welt des Handelns in ihrer lebendigen Einheit zu er
schließen, ist hier im Grundsätze die einzigmögliche, alleingültige Auf
gabe. Nur spricht die Eigenheit unseres ganzen Denkens noch ihr
Wörtlein mit. Es fragt sich eben, in welchem Grade unser Denken
jener Aufgabe gewachsen sei. Daran hängt erst die Entscheidung,
wie jene Erkenntnis tatsächlich „möglich“ erscheint. Da soll sich
nun zeigen, daß im Rahmen des grundsätzlichen Verhältnisses, ohne
dieses zu beirren, doch eine Vereinfachung eintreten muß, nur
eben ganz anderer Art, als sie dem naturwissenschaftlichen Denken
eigen ist: Eine Vereinfachung nämlich, die darauf zugeschnitten ist,
das Erfassen der Einheit wahrzumachenl
Die Welt des Handelns, als das in sich einheitliche Ganze, als das
Eine Gewebe der Erlebnisse, das ist immer nur ein Ding der Vor
stellung. Aber diese Vorstellung liegt uns Allen so nahe. Denn jeder
von uns erlebt genug des Geschehens, das in steter und reichfältigster
Verknüpfung mit dem eigenen Handeln ist und uns nach des letzteren
Vorbilde gleich in seinen Zusammenhängen zufällt; in seinem Weshalb,
Wieso, Wozu, und wie diese Fragworte alle lauten, denen das Erleben
selber Antwort steht. Es wäre Unvernunft, die Fäden dieses vielge
äderten Zusammenhanges nicht auch dort im Weiterlauf zu denken,
wo sie unser eigener Blick nicht mehr zu verfolgen weiß. Was wir
Schicksal nennen, das berührt ja gerade auch die Art, wie diese Fäden
aus dem undurchdringlichen Dunkel ihrer Verflechtung gegen uns
heranzüngeln.
Es genügt, an unsere Ohnmacht zu denken, dem Zusammenhänge
über einen engen Gesichtskreis hinaus auf der Spur zu bleiben; dann
zwingt sich ein anderer Gedanke ebenso herrisch auf. Die Einsicht,
daß der menschliche Geist außerstande sei, die All-Einheit des
erlebten Geschehens bis ins einzelste ihrer Gliederung zu erfasseß-
Es dehnt sich diese Aufgabe so ins Unendliche, daß wir ihrer Lösung