282 SHige, Geburtenrüdgang und Sozialreform
und 48 511, alfo etwa drei Viertel, unter 18 Jahren, bei den 99 972 Kindern evanı
zeliiher Lehrer dagegen waren 33 665, allo ein Drittel, über und nur 66 807, allo
zwei Drittel, unter 18 Jahren,
Bei Würdigung diejer Zahlen ift gewiß Kitijhe Borficht geboten.
Der Seburtenftand und -rücgang wird durch eine Reihe von Urfachen
bedingt, die ftet3 mehr oder weniger zujammenwirken, und deren Anteil
im einzelnen fih IHwer feftjtellen Iäßt. Dabei wird au) beim beften
Willen dem f{ubjektiven Ermelfen immer noch ein weiter Spielraum ver-
öleiben. Solch vergleichende Darftellungen erfordern deshalb eine fehr ein»
gehende. und forgfältige Berücfichtigung aller fonkurrierenden Einflülfe,
wie fie an diefer Stelle nicht möglich ift.2)
Um nur einige Seiten des Problems Herauszugreifen: Gemwik hat der Überlguß.
ber Katholiken zum Teil au darin feinen Grund, „daß von der Iatholijdgen Bevölkerung:
DeutfchlandS nur ettva ein Siebtel, von der evangelijhen aber mebhr al8 ein Fünftel
in den Knderfeindlihen Grokjtädten wohnt“, Auch der geringere Wohljtand der Katho-
ifen fommt in Betracht, {pricht aber weniger mit, da der relative Anteil der beiffer-
geftellten KMaffen immer nur gering ift. Cbenfo kann die Einwanderung für die Ge-
zurtenziffer von Einfluß fein. Ein plöglider Wanderzujtrom wird zunächft überwiegend
junge ledige Elemente zuführen und damit die Geburtenziffer drücen. Umgefehrt
vird fich die Wirkung im Abwanderungsgebiet geltend machen. So erklärt lich die
zeringe Geburtenziffer in den reihen Städten, 3. DB. Wiesbaden, Schöneberg, Char-
ottenhurg gewiß zum Teil au aus der größern Zahl der zugewanderten ledigen
Dienftmäbchen, Das gilt auch für die wohlhabenden Stadtteile und Familien, ein
Imftand, der in den meijten Statijtifen, die die Kinderarmut der wohlhabenden Klaffen
srweifen follen, unbeachtet bleibt und die Refultate wefentlich entwertet. Größere Be.
deutung kommt [Hon für [olhe Vergleiche der eHeliden Fruchtbarkeitsziffer
zu. Wie die Geburtsziffer durd die eheliche SFruchtbarfeitsziffer korrigiert werben
kann, beweifen 3. B. die Städte der Bezirke Sigmaringen, Cöln, Coblenz, Nachen,
»ie mit ihrer Geburtenziffer verhältnismäßig niedrig [tehen, nach der ebelidhen Frucht
Sarkeitsziffer aber (mit 205, 195, 212, 237) gegenüber bem DurdHfHnitt in Preußen
196) ftarf vorrüden.?) Wber auch die ehHelihe Fruchtbarkeit ftellt {ich wieder verfchieden,
‚e nach dem Alter der rauen. Bei der Vorherrichaft jüngerer Frauen wird fie natürlich
1) Val. Ro ft, Geburtenrüdgang und Konfejfion. Cöln 1918. — Beiträge zur
Moraljtatiftik. Baberborn 1918. Forber ger, Geburtenrüdgang und Konfelfion,
Berlin 1914. Beder H., Unterfudhungen über den Zufjammenhang zwilgen Kon-
'elfion und Fruchtbarkeit in Preußen. M.Gladbad) 1916, Vollsvereing: Verlag. Beer
vürbigt die verfhiedenen Seiten der Frage unter Beibringung einer Fülle von ftas
Aftilhem Material fehr eingehend. Er kommt zu dem Mefultat, daß der Konfeflion
Aneausfhlaggebende Bedeutung zulomme, mehr als z. 3. dem Beruf,
jet Malie, dem Grade des Wohlftandes, Er [prichHt von einer „pfyHijden Infektions-
ranfheit“, deren Ausgangspunkte Berlin, Frankfurt a. M. und Hamburg find. —
Bemerfenswert ift fein Hinweis, daß gerade in den Bezirken und Kreifen, in denen
bie Fruchtbarkeit niedrig ift, meil au das Heiratsalter niedrig und die Heiratsluft
größer ift al8 in den fruchtbaren Bezirfen — wohl nur dahin erflärlich, daß die
Ehen vielfach in. dem Gedanken und mit der Ablicht der „Rationalifierung“ ge-
“Oloffen werden. . Diele bedenflidhe Erfheinung hält Beder aber noch einer ein-
zebenden Unterfudhung bedürftig.
Beder Tabelle I