266
,Die Herrschaft des Wortes“,
darüber steht die lehrhafte Entscheidung in jeder Hinsicht jenem
grundlegenden Verhältnisse zu, zwischen dem unzerfällenden
Denken und seinem Stoffe! Für den besonderen Fall der Historie
liegen zwar just diese grundsätzlichen Verhältnisse so flach auf der
Hand, daß sich diese Wissenschaft mit gutem Rechte mehr um das
Weitere, ich möchte sagen, mehr um die „Durchführungsvorschriften“
gesorgt hat; nennen wir als rundes Beispiel die Quellenkritik. Auf die
tieferen Fragen — die es bleiben, so flach ihre Antwort auf der Hand
liegt — ist die Historie immer erst dadurch gedrängt worden, daß sie
jeden Augenblick sich anderer „Reformatoren“ zu erwehren hat.
Denen liegt wohl das Richtige hier gar zu nahe, zu sehr auf der
flachen Hand, um diese nicht lieber zu schließen und mit der Faust
der „gesetzlichen“ und „ursächlichen Erklärung“ dreinzuschlagen 1 Je
befriedigender aber die „reformierten“ Leistungen ausfallen, desto
weniger kann es im Sinne der Selbsttäuschung sein, die hier aus
der Historie „erst eine Wissenschaft machen“ will. Dann wird höchstens
statt Historie einfach Nationalökonomie erzielt; im einzelnen Fall sogar
eine so wertvolle, daß es in der Sache nichts verschlägt, wenn da im
Äußeren nur eine Historie vorliegt, die ihren Beruf verfehlt hat.
Eine Stelle sei herausgegriffen, für die sich die Gebundenheit alles
Forschens an jene grundsätzlichen Erwägungen noch am besten in
Kürze zeigen läßt. Vom Nationalökonomen sei hier abgesehen; der
kann alles verwenden, gerade auch das Kleinzeug der „Tatsachen“.
Ihm kommt zum Beispiel auch eine „Schlosserrechnung Goethes“ ge
legen; nur eben als Schlosserrechnung pure et simple — so wider
strebend uns auch der Gedanke ist, daß sogar das Ewige Licht eines
solchen persönlichen Weisers verlöschen muß, genau so, als ob es
sich um die Schlosserrechnung von Hans Piepenbrink handeln würde.
Der Historiker also, von dem hier allein die Rede ist, muß unter
den „Tatsachen“, die ihm verfügbar sind, oder erst erreichbar scheinen,
eine Auswahl treffen. Die Forschung selber, die entbehrt auch hier
der allgemeinen Erwägung leichten Herzens. Wie in keiner anderen,
triumphiert in der historischen Forschung die Empirie. Sie, die
dem grünen Handeln nacheifert, zehrt eben wie keine andere vom
„ganzen Menschen“; verlangt aber auch den Vollmenschen. Zugleich
darf man es dem Historiker, der dem Leben so tief ins Antlitz schauen
muß, am wenigsten verargen, wenn er an grauer Theorie kein Gefallen
findet.
Jener Auswahl unter den „Tatsachen“ scheint nun die allgemeine
Erwägung leicht vorgezeichnet: Man nimmt eben einfach ei^ie „Wer
tung“ der „Tatsachen“ vor, scheidet danach den Weizen der „historisch