274
,Die Herrschaft des Wortes“,
tigsten Geschehens. Es ist nur ein dürftiger Abhub von dem Einen
und großen Gewebe der Erlebnisse, was sich da unserem geistigen
Blicke dartut. Wieviel in Menschenschicksal hämmerndes Geschehen
geht z. B. dem genauesten Bericht über eine „Schlacht“ verloren,
der sich ja nach allen Seiten hin zur bloßen Schilderung ausweiten
muß. Und doch nie anders, als mit jenem zeit flüssigen Gewebe
von Ereignissen, wird uns die All-Einheit des erlebten Geschehens
erfaßbar, soweit wir sie mit dem Blicke auf das grüne Handeln durch
schauen; stets nur zur Not, zur Not aber immerhin, mit der Freiheit
endloser Vervollkommnung. Jener Abhub vom lebendigen Gewebe,
das ist die Welt des Handelns im Aufrisse. Auch dieser Aufriß ist
zunächst nur ein Ding der Vorstellung; aber hier ist das Mögliche im
Auge behalten. Die berichtende Wissenschaft macht diesen Aufriß zur
Tatsache; er bedeutet für die Wissenschaft schlechthin den Gegen
stand — nicht zu verwechseln mit den engeren Gegenständen ihres
Denkens! Aber er ist selbst noch, als der allumfassende, einem Worte
verhaftet, schon für das urwüchsige Denken. Denn als Name für jenes
zeitflüssige Gewebe der Ereignisse liegt jenes Wort „Ge
schichte“ bereit, mit dem unser Deutsch die All-Einheit des erlebten
„Geschehens“ so hübsch zu stammeln weiß.
VL
Nun die Verhältnisse der schildernden Wissenschaft. Da wir
beim Denken von Zustand und Entwicklung das Geschehen aus seinen
erlebten Zusammenhängen lösen, ist es nicht sofort klar, wie man auch
auf diesem Wege der All-Einheit nacheifern kann. Nun, das Auslösen
trifft ja zu. Erstens aber hängt das Ausgelöste in sich zusammen; und
um so mehr, je weiter der Zustand gespannt ist. Zweitens ist in Zu
stand und Entwicklung doch erlebtes Geschehen geronnen. Von
Diesem gilt, was ich für den besonderen Fall der „Tatsachen“ aus der
Welt des Handelns erwähnte; wir können da überallhin weiter
denken. Dem zuständlich erfaßten Geschehen entspricht zwar kein
bloßer Stern von Zusammenhängen; denn mit dem Geschehen sind
auch seine Zusammenhänge zuständlich erfaßt. Man könnte eher
von einer ganzen Spule wiederkehrenden Zusammenhanges sprechen,
die sich mit der Wiederkehr des Geschehens fortwährend auf- und ab
wickelt. Nun ist aber das Geschehen, nach dem diese Zusammenhänge
hinlaufen, auch wieder als Zustand erfaßbar. Dann haspeln sich die
zuständlich erfaßten Zusammenhänge von Spule zu Spule, ohne ab-