Full text : Wirtschaft als Leben

2g2  „Die  Herrschaft  des  Wortes“,
ist  nur  mehr  bloßes  „Requisit“  für  dieses.  In  seiner  Denkbarkeit  ist
er  nichts  als  Mittel  zum  Zweck,  und  Zweck  ist  der  gleiche  wie  bei
der  Historie.  Denn  auch  die  schildernde  Wissenschaft  hat  vor  der
höchsten  Instanz,  vor  der  Möglichkeit  unserer  Erkenntnis,  nur  den
Einen  Zweck,  die  All-Einheit  des  erlebten  Geschehens  erfaßlich  zu
machen,  sei  es  auch  auf  einem  anderen  Umwege.  Diesem  Zweck
gegenüber  ist  alles  andere  nur  Mittelvorrat,  „Requisit“.
Daran  muß  man  eisern  festhalten,  weil  gerade  hier  der  äußere  Anschein
ein  trügerischer  ist.  Um  diesem  beizukommen,  will  ich  im  fortlaufenden
Vergleich  mit  der  Historie  zunächst  erläutern,  aus  welchen  Gründen
die  schildernde  Wissenschaft  jener  Reduktion  besonders  zugänglich  ist,
die  für  jenen  falschen  Schein  verantwortlich  ist.
Auch  die  schildernde  Wissenschaft  ist  zum  wörtlichen  Ausdruck
gezwungen  und  damit  zu  begrifflichem  Denken  genötigt,  genau  so  wie
die  Historie.  Aber  weit  darüber  hinaus  gilt  für  die  Wissenschaft  vom
Menschheitsleben  ein  Drang  nach  dem  Artbegriffe,  in  ihres
eigenen  Wesens  Art  begründet.  Bei  ihr  ist  ja  Zustand  und  Entwicklung ­
  die  Losung  1  Diese  setzen  gemeinsam  die  Wiederkehr  voraus,  und
diese  wieder  die  Art  —  ein  Abstand  von  der  Historie,  der  sehr  weite
Kreise  zieht,  namentlich  nach  der  Methodologie  hin.  Die  letztere
interessiert  uns  hier  nicht;  nur  der  engeren  Sache  zuliebe  einige  Andeutung. ­
  Bei  der  Historie  ist  ihre  Pflege  auf  irgendein  vorbereitendes
Denken  nicht  angewiesen;  im  Grundsätze  wenigstens.  Nur  jener  Hang
nach  dem  „Staatlichen“  bringt  hier  eine  tatsächliche  Änderung  zuwege.
Ihren  Bericht  muß  die  Historie  an  erster  Stelle  durch  die  Schilderung
der  „staatlichen“  Zustände  ergänzen.  Dadurch  rückt  alles,  was  irgendwie ­
  an  „Verfassung“  erinnert,  zur  Stellung  eines  vorbereitenden  Wissens
für  die  Historie  auf.  Es  kommt  da  zu  einer  Abart  von  „Grundbegriffen“. ­
  Dorthin  ginge  auch  jene  Reduktion,  die  sich  bei  dieser
Wissenschaft  mehr  als  ihre  Parodie  ausnähme.  Für  die  Historie  kommt
es  auf  die  machtbedingenden  Zusammenhänge  weiten  Griffes  an.
So  ist  auch  die  Technik  im  Schürzen  dieser  Zusammenhänge  von
besonderem  Belang  für  die  Historie.  Daher  ihr  altes  Interesse  für  alles
„Machttechnische“,  für  alle  „Politik“,  als  Kunstlehre  des  „staatlichen“,
wenn  man  will,  des  ausgeprägtest  oberpersönlichen  Handelns;  es  dreht
sich  da  um  das  Handwerk  an  den  gewissen  Hebelarmen.  Zu  allen
diesen  Dingen  aber,  wie  gesagt,  kommt  die  Historie  mehr  aus  Versehen.
Für  die  schildernde  Wissenschaft  gilt  Ähnliches  ganz  ungleich  mehr
im  Grundsätze;  erklärlich  aus  ihrem  Hang  zu  Wiederkehr  und  Art.
Hier  liegt  der  Wurzelpunkt  eines  „grundbegrifflichen“  Denkens
für  diese  Wissenschaft,  der  treibende  Anlaß  für  jene  „Theorie  vor
            
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