Full text : Wirtschaft als Leben

Ausblicke,  XII.

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Meinung,  aber  vielfach  auch  jener  der  wissenschaftlichen  Logik,  zwischen
„der“  Nationalökonomie  auf  der  einen,  und  einer  gewissen
„Wirtschaftsgeschichte“  auf  der  anderen  Seite  bestünde;  jener
„Wirtschaftsgeschichte“,  die  man  auf  dem  Koppelfelde  der  „Gebiete“
so  friedlich  weiden  sieht,  neben  „Politischer  Geschichte  ,  „Verfassungsgeschichte“, ­
  „Rechtsgeschichte“  und  so  weiter;  fehlt  gerade  noch  die
„Naturgeschichte“.
Das  Verhältnis  zwischen  Kern  und  Anhängsel  gilt  so  sehr  in
verkehrtem  Sinne,  daß  man  von  dem  grundsätzlichen  Veto  absehen
kann,  und  der  Gedanke  an  „Teilwissenschaften“  kommt  doch  nicht
auf.  Eine  Teilung  greift  allerdings  Platz.  Ist  der  Schmetterling  ausgekrochen, ­
  bleiben  jene  Art  Lehrbücher  als  bloße  Hülle  zurück.  Ihre
Folge  wird  weitergehen,  weil  gewisse  Lehrzwecke  es  verlangen.  Man
kann  in  ihrer  Folge  ruhig  eine  Einheit  für  sich  sehen  und  von  einer
Wissenschaft  sprechen;  Patent  auf  dieses  Wort  ist  nicht  genommen.
Jene  Wissenschaft  kann  man  „Systematische  Nationalökonomie“  oder
w ie  immer  nennen.  Nur  übersehe  man  das  untergeordnete  Verhält ­
  nis  nicht,  das  vor  der  schildernden  Wissenschaft  diesem  Kadaver
ßer  alten  Lehrbuchswissenschaft  zusteht  I
Schon  ihr  Wesen  darf  nicht  verkannt  werden.  Ein  eigentlicher
Fortschritt  ist  da  ausgeschlossen.  Er  war  bei  dieser  „Systematischen ­
  Nationalökonomie“  von  jeher  nicht  gut  möglich:  aber  wahrhaftig ­
  nicht,  weil  es  bekanntlich  „Klassiker“  gewesen  sind,  die  erst  den
richtigen  Anfang  gemacht  haben.  Der  Fortschritt  hat  ausbleiben
müssen,  weil  hier  das  Anfängen  so  gut  wie  alles  istl  Denn  hier  ist
doch  die  Gemeine  Erfahrung  der  Rohstoff.  Das  aber,  was
jedem  zur  Verfügung  steht,  braucht  nur  ein  erstes  Mal  in  wissenschaftlicher ­
  Form,  in  der  Abgerundetheit  eines  Systems,  ausgesagt  zu
■werden:  dann  ist  der  Anfang  gemacht,  der  im  Grundsätze  schon  das
Ende  bedeutet  —  ein  Anfang,  der  sich  nicht  fortsetzen,  der  sich  immer
nur  wiederholen  läßt.  Wohl  muß  sich  auch  die  Gemeine  Erfahrung,
mit  ihrem  Wurzelgrunde,  mit  dem  Alltage,  nach  Zeit  und  Ort  abschatten; ­
  allein  es  fällt  dies  am  wenigsten  dort  in  Betracht,  wo  vor
allem  die  Grundlinien  des  gewissen  Flechtwerkes  nachgedichtet  werden,
wo  also  die  Gemeinste  Erfahrung  im  Kerne  steht.  Außerdem
bildet  sich  neben  diesem  Ausgang  vom  Gleichen  starrste  Tradition
aus -  Es  wird  aus  den  alltäglichsten  der  Alltagsworte  ein  System  bereitet. ­
  Mit  diesen  Worten,  und  ihren  Mithelfern  am  ersten  System,
schleppt  sich  die  Tradition  weiter;  und  in  deren  wortschalen  Rahmen
geschieht  es,  daß  eigentlich  jeder  von  vorne  anfängt.  Sie  steigen
sich  nicht  auf  die  Schultern,  sie  steigen  sich  mehr  auf  die  Köpfe.  Im
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