Full text : Wirtschaft als Leben

Einleitung.
Für  die  Wissenschaft  der  Nationalökonomie,  für  ihren  Zustand,
ist  vielleicht  kein  Gebiet  in  ähr  so  bezeichnend  wie  jenes,  das  man  gewöhnlich ­
  die  Wertlehre  nennen  hört.  Für  meinen  Teil  werde  ich
immer  von  der  so  genannten  Wertlehre  sprechen.  So  versteht  mich
jedermann,  und  dabei  wahre  ich  mir  doch  alle  Freiheit  künftiger  Kritik.
In  bezug  auf  dieses  Gebiet  gehe  ich  nun  von  der  Behauptung  aus,  daß
es  seiner  ganzen  Art,  seinem  Gehaben  und  Gebaren  nach  in  hohem
Grade  seltsam  sei,  zum  Verwundern  merkwürdig.
Ich  weiß  es  wohl,  im  Augenblicke  stehe  ich  mit  dieser  Behauptung
allein.  Denn  wer  könnte  mir  gleich  jetzt,  bevor  ich  noch  den  Sachverhalt
darlege,  beistimmen?  Doch  nur  jene,  die  in  den  Verhältnissen,  die  hier
einspielen,  genügend  bewandert  sind;  also  die  Fachleute.  Diese  aber
wären  vorderhand  die  letzten,  in  der  sogenannten  Wertlehre  etwas  besonders ­
  Seltsames  zu  ersehen.  Und  das  ist  auch  leicht  zu  erklären.
Die  Umstände,  auf  die  hin  die  sogenannte  Wertlehre  seltsam  erscheinen ­
  darf,  sie  treffen  auch  bei  anderen,  ja  so  ziemlich  bei  allen  Gebieten ­
  unserer  Wissenschaft  zu.  Sonst  wäre  ohnehin  die  „Wertlehre
nicht  bezeichnend  für  den  Zustand  der  Wissenschaft,  die  in  ihr  eines
ihrer  wichtigsten  Gebiete,  wenn  nicht  das  wichtigste  ersieht.  In  der
fraglichen  Hinsicht  zeichnet  sich  die  sogenannte  Wertlehre  nur  dem
Grade  nach,  nicht  aber  in  der  Art  aus.  Was  ich  also  weiter  unten  in
seiner  Seltsamkeit  zeigen  werde,  das  ist  gleichsam  der  Lokalton  in
unserer  Wissenschaft  Es  ist  schon  ganz  und  gar  mit  der  Idee  dieser
Wissenschaft  eins  geworden.  In  der  letzteren  wird  sich  niemand  heimisch
fühlen,  der  sich  nicht  vorher  mit  diesen  Dingen  befreundet,  an  sie  gewöhnt ­
  hat  Die  Gewöhnung  aber  stumpft  uns  gegen  das  Absonderliche ­
  ab  und  läßt  es  uns  nicht  mehr  als  solches  empfinden.  Schließlich
wundert  man  sich  eher  darüber,  daß  ein  anderer  seltsam  findet  was
uns  etwas  längst  Gewohntes  ist.
Wegen  ihrer  Seltsamkeit  werde  ich  mich  in  der  Folge  in  scharfer
Kritik  gegen  die  „Wertlehre“  wenden,  lue  ich  nicht  damit  schon  ein
Gleiches  gegenüber  anderen,  verwandten  Gebieten,  ja  gegenüber  unserer
            
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