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,Die Herrschaft des Wortes“,
es müßte sich in seiner Kapazität, die im ganzen doch nur mit dem
Handeln Schritt hält, soweit sie dem Handeln gegenüber sich erproben
soll, gleichsam verdoppeln können. Nun ist es Beruf jener Vorarbeit,
daß sie alle Willkür, die hier nötig wird, vorweg und auf sich
nimmt, um sie der vollziehenden Tat, der Forschung zu ersparen.
Auch dies gehört zu jener „Theorie vor den Tatsachen“, mit der sich
das Denken für seine Arbeit im Gegebenen, für das Forschen in Tat
sachen, gleichsam trainiert. Alle unvermeidliche Willkür, die wird nun
bei jener Vorarbeit bedachtsam im voraus gehandhabt. Dann ist es
der Forschung um so leichter gemacht, und selbst vor der verwirrenden
Totalität des Zusammenhanges, zurück zu trachten nach der Un-
geteiltheit des Erlebten! Sie vermag das Erlebte viel leichter wie aus
Einem Gusse nachzuschöpfen, wenn die notwendigen Bruchstücke des
Gusses scharfe Ränder haben, und nur mehr die „Nähte“ weg zu
ziselieren bleiben. Ganz anders, wenn sie empirisch vorgehen soll.
Dann muß sie vom Boden des urwüchsigen Denkens aus mit den
zerstückelnden Worten dreinfahren, um dann erst die plumpen Bruch
stücke zu einem Ganzen zu flicken. Lauter Dinge, die ich nur ungern
einem so rohen Versuche zur Seite spreche, wie ihn meine engere
Sache darstellt. Immerhin war es nötig, um den Schein zu vermeiden,
als ob ich selber den Ast absägte, auf dem meine sieben Formeln
sitzen.
Es war übrigens schon dort zu betonen, wie bedingt und ver
klausuliert gerade das gilt, was sich dem keck zugreifenden Denken so
willig in die Arme wirft. Nur ihm erscheint da alles recht einfach;
wenn auch nicht entfernt so einfach wie dem urwüchsigen Denken,
das kraft seiner Wortstelzen mit wenigen Schritten über dick und
dünn stolpert. Sieht man jedoch schärfer zu, dann stimmen selbst
Dinge bedenklich, die sich dem unverzagt durchfahrenden Denken als
die wuchtigsten Gemeinplätze geben, dort als letzte Tatbestände er
faßbar sind: Not und Macht! „Grundverhältnisse“ sind es nur für ein
Denken minderer Strenge; man kann ihnen noch gehörig selber auf
den Grund gehen, ohne im mindesten „Grenzen“ zu verletzen. Was
Not und Macht im Tieferen unterliegt, berührt die vielgestaltige Be
ziehung zwischen dem Streben im Handeln und den Deter
minanten des letzteren. Ungefähr also das Spiel zwischen dem
auslösend und dem seitlich Bedingenden des Geschehens. Diese „Lehre“
von der Determination unseres Handelns, ein Bruchteil aus der „Theorie
vor den Tatsachen“, wäre etwas so Nüchternes, verläßt den Boden der
Erfahrung so wenig, daß es umgekehrt der älteren Nationalökonomie
gefrommt hätte, sich dieser „Lehre“ anzunehmen, statt in Mystik ge'