Full text : Wirtschaft als Leben

r

322

,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

es  müßte  sich  in  seiner  Kapazität,  die  im  ganzen  doch  nur  mit  dem
Handeln  Schritt  hält,  soweit  sie  dem  Handeln  gegenüber  sich  erproben
soll,  gleichsam  verdoppeln  können.  Nun  ist  es  Beruf  jener  Vorarbeit,
daß  sie  alle  Willkür,  die  hier  nötig  wird,  vorweg  und  auf  sich
nimmt,  um  sie  der  vollziehenden  Tat,  der  Forschung  zu  ersparen.
Auch  dies  gehört  zu  jener  „Theorie  vor  den  Tatsachen“,  mit  der  sich
das  Denken  für  seine  Arbeit  im  Gegebenen,  für  das  Forschen  in  Tatsachen, ­
  gleichsam  trainiert.  Alle  unvermeidliche  Willkür,  die  wird  nun
bei  jener  Vorarbeit  bedachtsam  im  voraus  gehandhabt.  Dann  ist  es
der  Forschung  um  so  leichter  gemacht,  und  selbst  vor  der  verwirrenden
Totalität  des  Zusammenhanges,  zurück  zu  trachten  nach  der  Ungeteiltheit
  des  Erlebten!  Sie  vermag  das  Erlebte  viel  leichter  wie  aus
Einem  Gusse  nachzuschöpfen,  wenn  die  notwendigen  Bruchstücke  des
Gusses  scharfe  Ränder  haben,  und  nur  mehr  die  „Nähte“  weg  zu
ziselieren  bleiben.  Ganz  anders,  wenn  sie  empirisch  vorgehen  soll.
Dann  muß  sie  vom  Boden  des  urwüchsigen  Denkens  aus  mit  den
zerstückelnden  Worten  dreinfahren,  um  dann  erst  die  plumpen  Bruchstücke ­
  zu  einem  Ganzen  zu  flicken.  Lauter  Dinge,  die  ich  nur  ungern
einem  so  rohen  Versuche  zur  Seite  spreche,  wie  ihn  meine  engere
Sache  darstellt.  Immerhin  war  es  nötig,  um  den  Schein  zu  vermeiden,
als  ob  ich  selber  den  Ast  absägte,  auf  dem  meine  sieben  Formeln
sitzen.
Es  war  übrigens  schon  dort  zu  betonen,  wie  bedingt  und  verklausuliert ­
  gerade  das  gilt,  was  sich  dem  keck  zugreifenden  Denken  so
willig  in  die  Arme  wirft.  Nur  ihm  erscheint  da  alles  recht  einfach;
wenn  auch  nicht  entfernt  so  einfach  wie  dem  urwüchsigen  Denken,
das  kraft  seiner  Wortstelzen  mit  wenigen  Schritten  über  dick  und
dünn  stolpert.  Sieht  man  jedoch  schärfer  zu,  dann  stimmen  selbst
Dinge  bedenklich,  die  sich  dem  unverzagt  durchfahrenden  Denken  als
die  wuchtigsten  Gemeinplätze  geben,  dort  als  letzte  Tatbestände  erfaßbar ­
  sind:  Not  und  Macht!  „Grundverhältnisse“  sind  es  nur  für  ein
Denken  minderer  Strenge;  man  kann  ihnen  noch  gehörig  selber  auf
den  Grund  gehen,  ohne  im  mindesten  „Grenzen“  zu  verletzen.  Was
Not  und  Macht  im  Tieferen  unterliegt,  berührt  die  vielgestaltige  Beziehung ­
  zwischen  dem  Streben  im  Handeln  und  den  Determinanten ­
  des  letzteren.  Ungefähr  also  das  Spiel  zwischen  dem
auslösend  und  dem  seitlich  Bedingenden  des  Geschehens.  Diese  „Lehre“
von  der  Determination  unseres  Handelns,  ein  Bruchteil  aus  der  „Theorie
vor  den  Tatsachen“,  wäre  etwas  so  Nüchternes,  verläßt  den  Boden  der
Erfahrung  so  wenig,  daß  es  umgekehrt  der  älteren  Nationalökonomie
gefrommt  hätte,  sich  dieser  „Lehre“  anzunehmen,  statt  in  Mystik  ge'
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.